Marktgerüchte: Besteht bei der Krypto-Börse FTX Insolvenzgefahr?

Nach dem eher ernüchternden Zinsentscheid der Federal Reserve konnte sich in der letzten Woche trotzdem eine überraschend deutliche Rally an den Märkten ausbilden, da im Grunde nichts am Fahrplan der Geldpolitik geändert wurde und die Märkte vorbereitet waren. Bitcoin konnte im Laufe der Woche bis über die Marke von 21.000 Dollar klettern, während im Altcoin-Sektor teils erhebliche Kursgewinne beobachtet werden konnten.

FTX ist das neue Sorgenkind am Markt

Mittlerweile treibt jedoch ein neues Schreckgespenst sein Unwesen im Krypto-Sektor und trübt die Laune der Anleger: Es gehen Gerüchte um, dass die im letzten Jahr kometenhaft aufgestiegene Krypto-Tradingplattform FTX Liquiditätsprobleme hat – und im schlimmsten Falle eine Insolvenz drohen könnte, die Wellen schlagen würde, wie wir es im Sommer bei Celsius und Co sehen mussten.

Nach der Rally der letzten Wochen, die auch der Token der Plattform, FTT, mit deutlichen Gewinnen mitgenommen hatte, ist der FTT-Kurs in den letzten Tagen wieder abgestürzt. Von seinem Hoch Anfang November bei 26,43$ ist der Token mittlerweile wieder deutlich auf etwa 22$ heruntergekommen.

Wie ist die Lage bei FTX?

Auslöser für die Liquiditätsängste am Markt war ein Bericht von CoinDesk, der das Balancesheet von Alameda Research genauer unter die Lupe genommen hat. Gründer und FTX-CEO Sam Bankman-Fried, der in den letzten zwei Jahren zu einer der populärsten Gestalten im Krypto-Sektor aufgestiegen ist, hat sein Werk in zwei Firmen aufgeteilt. Zum einen in die Krypto-Handelsplattform FTX. Zum anderen in seine Investment-Firma Alameda Research.

Laut dem Coindesk Report leuchten auf dem Balance Sheet von Alameda Research die Alarmglocken, dass das Imperium von Bankman-Fried unter gefährlichen Liquiditätsengpässen leiden könnte. Ein großer Teil der Assets des Unternehmens soll als Hinterlegungen für Kredite aufgelistet sein. Den Assets mit einem Gesamtgegenwert von etwa 14,6 Milliarden Dollar sollen 8 Milliarden Dollar in Verbindlichkeiten gegenüberstehen.

Das Problem: Ein großer Teil des Balance Sheets von Alameda besteht aus FTT-Token, also den hauseigenen und natürlich auch von FTX selbst erzeugten Token. „Es ist faszinierend zu sehen, dass ein Großteil des Netto-Vermögens von Alameda tatsächlich aus den zentral von FTX kontrollierten und aus dem Nichts gedruckten Token besteht, wird das Statement von Cory Klippsten, CEO der Investment-Plattform Swan Bitcoin und bekannter Altcoin-Skeptiker, in dem Bericht zitiert.

Ein Großteil der FTT-Token befindet sich noch nicht auf dem freien Markt. Das handelbare Marketcap beträgt 3 Milliarden Dollar, während das vollständige Marketcap derzeit etwa 8 Milliarden Dollar beträgt.

Alameda hält eine Position von etwa 5 Milliarden Dollar an FTT, etwa 2 Milliarden Dollar an Verbindlichkeiten werden durch FTT-Token gedeckt. Die Sorge am Markt ist nun, dass Alameda nicht wirklich liquide ist und sollte einer der Gläubiger nun mehr Sicherheiten einfordern und müssten FTT Token abgestoßen werden, dürfte das einerseits für Druck auf den Preis sorgen und andererseits weitere Gläubiger unruhig werden lassen. Im schlimmsten Fall könnte eine Todesspirale für den Token entstehen und das Marketcap implodieren lassen. Die Zweifel wachsen, ob Alameda im Zweifel wirklich in der Lage wäre, eine signifikante Position an FTT zu verkaufen, um Verbindlichkeiten zu bedienen, ohne eine solche Negativspirale in Gang zu setzen und den Preis zu pulverisieren.

Binance geht auf Nummer sicher

Wirklich gefährlich für die Reputation von FTX ist der Rückzieher von Binance, den CEO Changpeng Zhao auf Twitter offenbart hat.

Kurz gesagt geht Binance auf Nummer Sicher und stößt die restlichen Bestände an FTT ab, die sie noch haben, da sie „aus dem Terra Luna Vorfall gelernt haben“, wie CZ schreibt. Binance will die Token jedoch im Verlauf der nächsten Monate nach und nach abstoßen, um keinen Crash des Tokens auszulösen. Allein mit der Entscheidung haben Binance und CZ das Marktvertrauen in FTX jedoch bereits massiv geschädigt.

Alameda CEO Caroline Ellison versucht bereits Schadensbegrenzung und hat auf Twitter versichert, dass die in dem CoinDesk-Report aufgelisteten Assets nicht den kompletten Bestand abbilden und die Firma weitere Rücklagen hat. Einen Nachweis ist sie jedoch bisher schuldig geblieben.

Fazit aus der Investment-Perspektive

Bisher handelt es sich bei den Insolvenz-Ängsten lediglich um Gerüchte. Sollte Alameda Research tatsächlich noch weitere Rücklagen haben, wie von deren CEO genannt, dann sollte die Liquidität der Firma kein Problem darstellen und das Szenario einer schnellen Todesspirale für den FTT-Token bei nötigen Verkäufen wäre unwahrscheinlich, da keine oder nur wenige FTT-Bestände veräußert werden müssten.

Die Lage ist jedoch trotzdem unschön für die Reputation von FTX und der Verkauf von Binance sendet deutliche Signale. Das könnte den Preis von FTT zusätzlich unter Druck setzen. Der Preis wird deutlich von dem buy back and burn Programm von FTX unterstützt, welches etwa ein Drittel aller Kommissionen der Exchange aufbraucht. Der anhaltende Bärenmarkt und die nun gefährdete Reputation der Exchange könnte zu einem Kundenschwund und zu geringeren Einnahmen führen. Das würde auch den Token weiter unter Druck setzen.

Um komplett auf Nummer sicher zu gehen, sollten Investoren, die Kapital auf der FTX-Börse haben, überlegen, ihre Funds zu verlagern, sollte es zum Schlimmsten kommen. Was den FTT-Token selbst angeht, muss man warten, bis man mehr Klarheit zur Situation bekommt. Den derzeitig niedrigen Kurs als Einstieg zu nutzen, wäre extrem riskant und hätte mit einem Investment nichts zu tun. Dafür ist das Chance/Risiko-Verhältnis des Tokens angesichts der derzeitigen Situation viel zu schlecht.

Bereits investierte Anleger müssen sich überlegen, ob sie sich dem derzeitigen Risiko weiter aussetzen wollen. Eine Insolvenz von FTX ist vielleicht weniger wahrscheinlich, als es derzeit vom Markt suggeriert wird. Eine nachhaltige Schädigung der Reputation durch die Geschichte könnte den FTT-Kurs dennoch nachhaltig beschädigen.

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