Bitcoin entkoppelt sich vom Nasdaq – und Arthur Hayes sieht erst den Anfang der Rally

Bitcoin verändert derzeit sein Verhalten an den Finanzmärkten. Während die Kryptowährung in den vergangenen Jahren häufig gemeinsam mit wachstumsstarken Technologieaktien gehandelt wurde, nähert sich ihr kurzfristiges Korrelationsprofil zunehmend dem von Gold an. Daten von Grayscale zufolge ist die 90-Tage-Korrelation zwischen Bitcoin und dem Nasdaq Composite zuletzt von rund 60 auf nur noch 33 Prozent gefallen. Gleichzeitig stieg die Korrelation mit Gold von nahezu null auf rund 50 Prozent.

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Für den Vermögensverwalter ist diese Verschiebung kein Zufall. Grayscale sieht darin eine Folge des wieder stärker werdenden sogenannten Debasement-Trades. Hohe Staatsschulden, anhaltende Haushaltsdefizite und Spannungen an den Anleihemärkten würden Anleger zunehmend dazu bewegen, nach Alternativen zum klassischen Fiat- und Staatsanleihensystem zu suchen.

Bitcoin könnte davon neben Gold überproportional profitieren.

Bitcoin verhält sich zunehmend wie ein Hard Asset

Die Verschiebung zeigt sich nicht nur bei der Korrelation. Auch bei der jüngsten Kursentwicklung konnte Bitcoin sowohl Gold als auch Technologieaktien deutlich hinter sich lassen.

Über einen Zeitraum von 30 Tagen legte Bitcoin laut den im Bericht genannten Marktdaten um knapp 22 Prozent zu. Gold gewann im selben Zeitraum rund 8,8 Prozent, während der Nasdaq Composite lediglich rund 1,2 Prozent zulegte.

Grayscale beschreibt Bitcoin deshalb zunehmend als knappe und liquide Alternative zu Gold. Gerade dann, wenn Investoren an der langfristigen Kaufkraft von Fiatwährungen zweifeln, könnten beide Assets vom gleichen Kapitalstrom profitieren.

Der Hintergrund dafür ist vor allem in den USA zu finden. Die hohe Staatsverschuldung, strukturelle Defizite und die Frage, wie der Staat seine Finanzierungskosten langfristig kontrollieren kann, sind zuletzt wieder stärker in den Fokus der Märkte gerückt.

Auch die jüngste Ausweitung der Rückkäufe länger laufender US-Staatsanleihen durch das Finanzministerium unter Treasury Secretary Scott Bessent wurde von Teilen des Marktes als weiteres Signal interpretiert, dass die Regierung zunehmenden Druck auf dem Bondmarkt abfedern muss.

Entsprechend stark ist auch die öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema Währungsverwässerung gestiegen. Der Begriff „Debasement“ tauchte zuletzt innerhalb einer Woche in mehr als 1.500 Medienartikeln auf – der höchste Wert seit Januar.

Ist Bitcoin jetzt wirklich digitales Gold?

Ganz so eindeutig ist die Entwicklung allerdings nicht.

Matt Hougan, Chief Investment Officer von Bitwise, warnt davor, aus der aktuellen Korrelation eine dauerhafte Gleichsetzung von Bitcoin und Gold abzuleiten. Seiner Einschätzung nach bewegt sich Bitcoin nur in bestimmten makroökonomischen Phasen ähnlich wie das Edelmetall.

In anderen Marktregimen kann sich die Kryptowährung vollkommen anders verhalten.

Gerade das macht Bitcoin als Asset ungewöhnlich. Je nach Umfeld kann es Eigenschaften eines Technologie-Investments, eines Liquiditäts-Trades, eines spekulativen Risk Assets oder eines monetären Wertspeichers annehmen.

Auch Makrostrategin Lyn Alden sieht jedoch Anzeichen dafür, dass Bitcoin gegenüber Gold möglicherweise an einen wichtigen Wendepunkt gelangt. Mit einer zunehmend reiferen und institutionelleren Investorenbasis könnte sich die Rolle von Bitcoin im globalen Finanzsystem weiter verändern.

Arthur Hayes setzt ebenfalls auf das Geldsystem als Bitcoin-Treiber

Noch wesentlich weiter geht BitMEX-Mitgründer Arthur Hayes.

Auch seine aktuelle Bitcoin-These basiert weniger auf kryptospezifischen Entwicklungen als auf dem makroökonomischen Umfeld. Hayes geht davon aus, dass das Tief bei rund 58.000 Dollar wahrscheinlich bereits hinter dem Markt liegt und Bitcoin von hier aus schrittweise weiter steigen könnte.

Langfristig hält er weiterhin einen Bitcoin-Kurs von einer Million Dollar bis zum Jahr 2030 für möglich.

Als wichtigste Treiber nennt Hayes massive zukünftige Geldschöpfung, mögliche Eingriffe in die US-Zinskurve sowie den zunehmenden Druck auf das amerikanische Finanzsystem.

Seine These: Sollte die Regierung ihre hohen Defizite bei gleichzeitig hohen Finanzierungskosten nicht dauerhaft über den freien Kapitalmarkt finanzieren können, dürfte der Druck auf Federal Reserve und Treasury steigen, die monetären Bedingungen erneut zu lockern.

Genau davon könnten knappe Assets profitieren.

Damit kommt Hayes aus einer anderen Richtung zu einem ähnlichen Ergebnis wie Grayscale: Entscheidend für Bitcoin könnte weniger sein, was einzelne Politiker über Kryptowährungen sagen, sondern wie sich Geldpolitik, Staatsverschuldung und die Finanzierung des US-Haushalts entwickeln.

Hayes: Trump ist für Bitcoin weniger wichtig als Fed und Treasury

Hayes hält den Einfluss von US-Präsident Donald Trump auf den Bitcoin-Kurs deshalb für überschätzt.

Anleger sollten seiner Ansicht nach stärker beobachten, was das US-Finanzministerium und die Federal Reserve tun. Aussagen einzelner Politiker seien für die langfristige Preisentwicklung weniger bedeutend als Liquidität, Zinspolitik und die Entwicklung des Geldsystems.

Auch beim CLARITY Act zeigt sich Hayes skeptisch. Er bezweifelt, dass Trump viel politisches Kapital einsetzen würde, um eine umfassende Kryptoregulierung durchzusetzen, wenn andere Themen für den durchschnittlichen Wähler eine deutlich größere Rolle spielen.

Für seine Bitcoin-Bullenthese ist das jedoch ohnehin zweitrangig.

Ethereum ist für Hayes aktuell attraktiver als Bitcoin

Trotz seines langfristig extrem bullischen Bitcoin-Ausblicks ist Bitcoin momentan nicht Hayes‘ bevorzugtes Investment für frisches Kapital.

Seine aktuelle Nummer eins ist Ethereum.

Hayes hält bei ETH einen relativ schnellen Anstieg um das Drei- bis Fünffache für möglich. Seine Argumentation basiert dabei vor allem auf der schwachen relativen Bewertung und dem negativen Sentiment.

Ethereum gehört zu den wenigen großen Kryptowährungen, die ihr Hoch aus dem vorherigen Zyklus bislang nicht nachhaltig übertreffen konnten. Gleichzeitig bildet das Netzwerk weiterhin die technische Grundlage für große Teile des DeFi-Ökosystems.

Genau diese Kombination macht ETH für Hayes interessant: hohe fundamentale Bedeutung bei gleichzeitig vergleichsweise niedrigen Erwartungen.

Weniger Potenzial sieht Hayes bei Hyperliquid

Deutlich vorsichtiger ist Hayes inzwischen bei Hyperliquid.

Das Projekt gehörte in der Vergangenheit zu seinen bevorzugten Investments. Inzwischen sieht er jedoch weniger asymmetrisches Kurspotenzial.

Der entscheidende Unterschied: Hyperliquid ist mittlerweile kein unbekanntes Projekt mehr. Die Erwartungen des Marktes sind hoch und ein großer Teil des Erfolgs ist bereits eingepreist.

Hayes schließt weitere Kursgewinne bei HYPE nicht aus. Für neu investiertes Kapital sieht er bei Ethereum derzeit jedoch ein attraktiveres Verhältnis zwischen möglichem Gewinn und Risiko.

Der eigentliche Bitcoin-Trade spielt sich außerhalb des Kryptomarktes ab

Die aktuellen Aussagen von Grayscale und Arthur Hayes zeigen damit vor allem eines: Der wichtigste Bitcoin-Trade könnte derzeit weniger innerhalb des Kryptosektors als an den globalen Anleihe-, Währungs- und Geldmärkten entstehen.

Sollte sich Bitcoin tatsächlich weiter vom Nasdaq lösen und gleichzeitig stärker auf fiskalische Risiken, Geldschöpfung und Währungsverwässerung reagieren, würde sich auch seine Rolle innerhalb klassischer Portfolios verändern.

Noch ist es zu früh, aus einigen Monaten veränderter Korrelation einen dauerhaften Strukturbruch abzuleiten.

Doch die Richtung ist bemerkenswert: Während Gold bereits seit Jahrhunderten als Absicherung gegen monetäre Unsicherheit dient, versucht sich Bitcoin zunehmend in derselben Kategorie zu etablieren.

Und sollte der Debasement-Trade in den kommenden Jahren tatsächlich zum dominierenden Makrothema werden, könnte genau diese Entwicklung für den Kryptomarkt wichtiger sein als jede einzelne regulatorische Entscheidung.

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