Krypto-Report: Enttäuschender Start des Bitcoin-ETFs – Die Gründe und wie es weitergeht

In dieser Ausgabe des Krypto-Reports steht natürlich die Bitcoin-Spot-ETF-Zulassung im Vordergrund. Doch es gibt auch einen Blick auf Ethereum, die neusten Inflationsdaten und zwei spannende Content-Empfehlungen.

Blick auf die Charts

Bitcoin: Die letzten Tage waren äußert volatil für Bitcoin, nicht nur durch das Drama der falschen Zulassung des ETFs einen Tag zu früh, sondern auch der erste Handelstag für die ETFs hat den Kurs bewegt. Nach dem Erreichen eines neuen 2-Jahres-Hochs ist der Bitcoin-Kurs jedoch wieder deutlich zurückgegangen und hat erst Halt bei der Marke von etwa 45.500 Dollar gefunden. Damit konnte sein Ausbruchsversuch aus der Widerstandszone zwischen 45- und 47.000 Dollar vorerst nicht gelingen.

Ethereum: Einen vielversprechenderen Eindruck macht Ethereum. Der Kurs konnte sich bereits in den letzten Wochen absetzen und einen Ausbruch über wichtige charttechnische Formationen bestätigen. Im Zuge der Bitcoin-ETF-Zulassung ist Ethereum auf Wochensicht um über 15% angezogen – die Spekulation auf eine ETH-ETF-Zulassung beginnt.

Nachdem Ethereum bereits seit September 2022 gegenüber Bitcoin underperformt, besteht nun die Hoffnung, dass der Ethereum-Kurs endlich aufholen kann. Bisher scheitert die ETH/BTC-Ratio aber noch am Abwärtstrend, der jüngste Aufwärtstrend testet diesen jedoch.

Altcoins: Auch der restliche Krypto-Sektor bewegt sich weiterhin in seiner Spanne zwischen einer Marktkapitalisierung von 440 und 540 Milliarden Dollar.

Sollte Ethereum nun den Turbo richtig zünden, könnte der Altcoin-Sektor folgen.

Aktienmärkte: Der S&P 500 hat seine jüngste Korrektur komplett wieder eingeholt und kratzt einmal mehr an einem Alltimehigh. Bis auf weiteres bleiben die makroökonomischen Bedingungen für die Aktienmärkte gut. Wie in vergangenen Analysen beschrieben, gibt es noch weiteres Schießpulver, welches die Aktienmärkte nach oben treiben kann.

Dollar: Der DXY wertet im Einklang mit der Stärke der Aktienmärkte als inverse Korrelation weiterhin ab. Über die charttechnische Hürde von 103 Punkten ist er zuletzt nicht mehr hinübergekommen. Die Zeichen deuten weiterhin auf eine lockerer werdende Geldpolitik, dementsprechend wertet der Dollar weiter ab.

Blick auf das Makro-Bild

Bitcoin-ETF: Es ist geschafft, der Bitcoin-Spot-ETF in den USA wurde endlich von der SEC zugelassen. Doch ohne etwas Drama wäre der Krypto-Sektor nicht der Krypto-Sektor. Bereits am 9. Januar, einen Tag vor der erwarteten Entscheidung, hat die SEC über ihren Twitter-Account die Zulassung offiziell bestätigt. SEC-Chef Gary Gensler ist daraufhin jedoch schnell zurückgerudert und hat verlauten lassen, dass der Twitter-Account seiner Behörde „gehacked“ worden sei. Der Tweet wurde schnell wieder gelöscht.

Wie mittlerweile von Twitter bestätigt wurde, ist der Account tatsächlich angegriffen worden und die Kontrolle wurde über eine Telefonnummer der Behörde erlangt, die mit dem Account verknüpft war. Laut Twitter soll diese nicht mit einer Two-Factor-Authentifizierung gesichert gewesen sein. Wie man sich vorstellen kann, haben sich dadurch sowohl Wellen der Belustigung als auch der Kritik im Krypto-Twitter-Space entfaltet.

Das einmal beiseite steht nun einer riesigen Klasse an neuen Investoren endlich der Weg offen, um Kapital in Bitcoin stecken zu können. Allerdings war der erste Handelstag in Summe doch eher enttäuschend: Nach einem Anstieg auf ein neues 2-Jahreshoch von 49.000 Dollar ist der Kurs anschließend deutlich zurückgegangen und hat erst wieder Halt an der charttechnischen Unterstützung bei 45.500 Dollar gefunden.

Ein Grund dafür könnte eine Umschichtung der Investoren aus dem Grayscale-ETF heraus in die anderen ETF-Produkte sein. Der Grayscale ETF ist mit einer Gebührenstruktur von 1.5% wesentlich kostspieliger als die Konkurrenz. Insgesamt haben die Bitcoin-ETFs ein Handelsvolumen von über 4 Milliarden Dollar am ersten Handelstag erreicht. Über 2 Milliarden Dollar davon fallen jedoch auf den Grayscale ETF. Möglich ist, dass sich dies größtenteils in Form von Verkäufen ausgespielt hat. Der Grayscale-Trust wurde lediglich zu einem ETF umgewandelt, heißt von dieser Seite aus gab es keinen Kaufdruck auf Bitcoin, sondern es wurden bereits vorhandene Shares getradet.

Dass die Wallstreet-Player nun jedoch im Bitcoin-Fieber sind und sich eine Menge von dem Handel mit dem ETF erwarten, zeigt der Gebühren-Krieg, der sich in den letzten Tagen und Wochen um die Zulassung herum entfaltet hat.

Die Gebühren sind mit 0.25% bei einigen der großen Anbieter deutlich niedriger als erwartet und das zeigt die Erwartungshaltung der Anbieter, was das Potenzial für den Handel angeht.

Ein weiterer interessanter Punkt, die der Bitcoin-ETF mit sich bringt, ist die Lösung des „Einheits-Bias“, auf die VanEck-Analyst Gabor Gurbacs in einem Tweet eingeht:

Der Analyst hebt hervor, dass der hohe Preis eines ganzen Bitcoins viele potenzielle Investoren abschreckt, was teilweise auf die „Einheits-Bias-Psychologie“ zurückzuführen ist. Diese Psychologie beschreibt die Tendenz, lieber ganze Einheiten einer Währung zu besitzen, anstatt nur Teile davon. Gurbacs erklärt, dass viele Menschen nicht wissen, dass es möglich ist, Bruchteile eines Bitcoins zu besitzen, und dass es eine noch größere Gruppe gibt, die es vorzieht, ausschließlich komplette Vermögenswerte zu halten. Diese Vorliebe für das Besitzen ganzer Einheiten kann die Akzeptanz und das Investieren in Bitcoin beeinträchtigen. Gurbacs betont, wie wichtig es ist, diese Einheits-Bias-Psychologie zu verstehen und zu berücksichtigen, um die Märkte besser zu begreifen. Die Bitcoin-ETF-Anteile werden zu niedrigen zweistelligen Preisen gehandelt. Der BlackRock-ETF ist bspw. zu einem Preis von ca. 22 Dollar in den Handel gegangen, der GBTC leigt bei etwa 40 Dollar.

Wie geht es weiter?

Die nächste Frage ist nun, wie es nach dem ETF weitergeht. Mit der Zulassung des ETFs ist das erste große Narrativ für diesen Bullrun vorbei. Als nächster wichtiger Meilenstein steht im April das Bitcoin-Halving an, bei dem sich die Neuerzeugungsrate erneut halbiert. Es wird erwartet, dass es das Angebot-Nachfrage-Verhältnis positiv beeinflusst und den Preis steigert.

In meinen Kolumnen, Videos und anderen Beiträgen habe ich wiederholt betont, dass die geldpolitische Entwicklung für den Bitcoin-Bullenmarkt entscheidend ist. Aktuell fließt weiterhin Liquidität in die Finanzmärkte, wovon Bitcoin doppelt profitiert: als Risk-On-Asset aufgrund seiner Begrenztheit und als Spekulationsvehikel sowie als Risk-Off-Asset angesichts der Schuldenkrise im Bankensektor und bei der US-Regierung. Die Schwäche des Dollar-Systems erhöht die Attraktivität von Bitcoin als Alternative.

Auch 2024 bleibt die Geldpolitik der Hauptfaktor für die Märkte. Mit dem einfacheren Zugang zu Bitcoin durch ETFs für institutionelle Investoren wird sich zeigen, ob diese die Vorteile von Bitcoin erkennen und vermehrt in die Krypto-Märkte investieren.

Ethereum ETF: Während das Bangen um den Bitcoin-ETF nun vorbei ist, richtet sich die Aufmerksamkeit auf den nächsten vielversprechenden Kandidaten: Ethereum. Bereits jetzt ist der Ethereum-Kurs in einer Antizipation darauf deutlich gestiegen, sobald die BTC-ETF-Zulassung durch war.

Der nächste spannende Termin neben dem Halving im April ist also nun der 23. Mai 2024, dann steht eine Entscheidung für den VanEck Antrag an.

Inflation: Die Verbraucherpreis-Entwicklung in den USA für Dezember ist am Donnerstag erschienen und mit einem Anstieg auf 3,4% gegenüber dem Vorjahresmonat heißer ausgefallen als erwartet.

Noch besteht für viele Marktanalysten jedoch kein Grund zur Unruhe, wie das Branchenportal Marketwatch berichtet. „Der Weg mag holprig sein, aber die Desinflation hat 2024 noch Spielraum,“ wird Lydia Boussour, eine leitende Ökonomin bei EY-Parthenon, zitiert. Aus ihrer Sicht bleibt Spielraum für eine weitere Disinflation. Auch Bill Adams, Chefökonom der Comerica Bank, sagt, dass „gute Aussichten bestehen, dass die Inflation in diesem Jahr weiter nachlassen wird,“ und „niedrigere Inflation ebnet den Weg für die Fed, die Zinsen 2024 zu senken.“

Heute um 14:30 wird die Erzeugerpreis-Inflation für die US-Wirtschaft veröffentlicht. Auch hier wird ein leichter Anstieg erwartet.

Bullen VS Bären

Während die Stimmung an den Aktienmärkten etwas in die neutralere Zone gewandert ist, bleibt der Krypto-Sektor äußerst bullisch. Der Meilenstein des zugelassenen Bitcoin-Spot-ETFs wurde ausgiebig gefeiert und eröffnet endlich das lange erhoffte Potenzial, dass die großen Spieler anfangen, Kapital in die Kryptowährung fließen zu lassen.

Langfristig ist der Umstand, dass nun die Geldschleusen zwischen der Wallstreet und dem Krypto-Sektor endlich weit geöffnet sind, nur umso bullischer. Im Zuge des regulatorischen Kreuzzuges in den USA Anfang 2023 wurden die wichtigsten krypto-freundlichen Banken Silvergate Capital und die Signature Bank dicht gemacht. Dadurch wurde es zunehmend erschwert, in den USA Dollar in die Krypto-Märkte zu überführen.

Das lässt sich recht gut an der Entwicklung der Marktkapitalisierung der wichtigsten Stablecoins beobachten, die für viele Finanzmarktteilnehmer weltweit das Einstiegstor in den Krypto-Sektor darstellen, da diese oft nicht direkt in Coins investieren können, sondern den Umweg über Stablecoins gehen müssen. Man sollte dabei das Hauptaugenmerk auf die beiden wichtigsten Stablecoins USDC und Tether legen.

Zum Tiefpunkt des Bärenmarktes lag die Marktkapitalisierung von Tether bei 65 Milliarden Dollar und die von USDC bei 42 Milliarden Dollar. Im Verlauf von 2023 ist die Marktkapitalisierung von USDC um fast die Hälfte auf 25 Milliarden Dollar gefallen, während die Marktkapitalisierung von Tether auf 94 Milliarden Dollar angewachsen ist. Klammert man die kleineren Stablecoins aus und rechnet die beiden Entwicklungen gegen, dann sind netto seit dem letzten Bärenmarkttief lediglich 12 Milliarden Dollar in Stablecoins geflossen.

Die ETFs öffnen nun also die Geldschleusen und das Kapital fließt direkt in Bitcoin, von wo es in den restlichen Sektor weiterfließen kann.

Learning/Empfehlungen

Zum Schluss habe ich noch zwei Empfehlungen für euch:

Zum einen das neue Essay von Arthur Hayes, der darin einen sehr interessanten Ausblick inklusive Trading-Strategie für das erste Quartal 2024 gibt. Er legt dabei den Fokus auf die Liquiditätssituation an den Märkten, die durch das Reverse Repo Programm der Fed, das Notfallliquiditätsprogramm für die US-Banken und die weiteren Finanzierungspläne des US-Finanzministeriums beeinflusst wird. Hier findet ihr das Essay.

Zum anderen möchte ich euch den Makro-Jahresausblick von Raoul Pal ans Herz legen, in dem er sehr umfassend und mit einer wie immer beeindruckenden Zusammenfassung des Großen Ganzen seine Gedanken zum Finanz-Jahr 2024 teilt, sowohl was Krypto als auch was die Finanzmärkte generell angeht.

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Disclaimer: Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Sie ersetzen nicht die selbständige, sorgfältige Prüfung und eingehende Analyse des Investments (Due Diligence), sowohl in Bezug auf seine Chancen als auch auf seine Risiken und ihre persönliche Tragbarkeit. Die Informationen stellen ausdrücklich keine Aufforderung zum Kauf, Halten oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder anderen Anlageprodukten dar. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des Autors wieder. Weder der Autor noch decentralist.de haften für Verluste oder Schäden irgendwelcher Art, die im Zusammenhang mit dem Inhalt des Artikels oder einem auf der Grundlage der darin enthaltenen Informationen getätigten Investment stehen.

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