Die Verhandlungen über die künftige Regulierung des US-Kryptomarktes treten in eine entscheidende Phase ein. Nach einem weiteren Treffen im Weißen Haus rückt die Frage in den Mittelpunkt, ob und wie Nutzer künftig Renditen auf Stablecoins erhalten dürfen. Für den Markt ist das Thema hochaktuell, weil genau dieser Streitpunkt darüber entscheiden könnte, ob ein umfassendes Krypto-Gesetz in den USA überhaupt zustande kommt.
Bereits zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen trafen sich Vertreter der Krypto-Industrie und der Bankenbranche hinter verschlossenen Türen mit Regierungsvertretern. Obwohl erneut kein endgültiger Durchbruch erzielt wurde, berichten Teilnehmer von Fortschritten in den Gesprächen. Die Diskussion konzentriert sich inzwischen deutlich stärker auf einen möglichen Kompromiss, der Renditen auf Stablecoins nur noch in bestimmten Nutzungsszenarien erlauben würde.
Streit um Renditen wird zum zentralen Regulierungsthema
Im Kern geht es um die Frage, ob Stablecoin-Besitzer eine Art Verzinsung auf ihre Bestände erhalten dürfen. Banken warnen seit Monaten, dass attraktive Renditen Kapital aus dem klassischen Einlagengeschäft abziehen und den Wettbewerb verzerren könnten. Einige Institute drängen deshalb auf weitreichende Verbote von finanziellen Vorteilen, die allein aus dem Halten oder Nutzen von Stablecoins entstehen.
Die Kryptobranche argumentiert dagegen, dass ein generelles Renditeverbot Innovationen ausbremsen würde. Plattformen wie Coinbase sehen in Belohnungsmodellen einen zentralen Bestandteil digitaler Finanzdienstleistungen. Entsprechend sensibel reagierten Marktteilnehmer, als das Thema zuletzt zum Hindernis für ein umfassendes Marktstrukturgesetz wurde, das Zuständigkeiten zwischen US-Aufsichtsbehörden klären und neue Regeln für den Sektor festlegen soll.
Nach jüngsten Gesprächen zeichnet sich nun ein engerer Verhandlungskorridor ab. Renditen auf ungenutzte Stablecoin-Guthaben könnten faktisch ausgeschlossen werden. Diskutiert wird stattdessen, ob Drittanbieter wie Kryptobörsen Belohnungen nur dann gewähren dürfen, wenn Nutzer aktiv Transaktionen durchführen oder ihre Bestände bewegen. Die Banken beraten derzeit intern, ob sie einem solchen Modell zustimmen können.
Politischer Druck und unsichere Mehrheiten
Der politische Kontext erhöht den Zeitdruck. Die US-Regierung drängt offenbar auf eine Einigung, während mehrere Gesetzesentwürfe im Kongress feststecken. Besonders im Senat fehlt bislang die parteiübergreifende Unterstützung, die für eine Verabschiedung notwendig wäre.
Hinzu kommen weitere Konfliktlinien, etwa Debatten über mögliche Interessenkonflikte rund um politische Akteure mit eigenen Krypto-Engagements. Beobachter sehen darin ebenso wie im Stablecoin-Thema die wichtigsten Bremsfaktoren für das Gesetzgebungsverfahren.
Trotzdem bleibt der Optimismus in Teilen der Branche hoch. Führende Vertreter großer Krypto-Unternehmen verweisen auf den zunehmenden politischen Druck und bewerten die Chancen auf eine Einigung deutlich positiver als noch vor wenigen Wochen. Prognosemärkte spiegeln diese Unsicherheit wider: Die Erwartungen an eine baldige Gesetzesverabschiedung schwanken stark.




