Bitcoin unter Druck – Federal Reserve bleibt hartnäckig hawkish

Die mit Spannung erwartete Zinsentscheidung der US-Notenbank Federal Reserve hat die Märkte mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Einerseits hat die Fed wie vom Markt erwartet vorerst keine weitere Zinserhöhung mehr vorgenommen und den Leitzins für den US-Dollar bei einer Spanne von 5 – 5,25% belassen. Andererseits hat Fed-Chef Jerome Powell in der Pressekonferenz den Hoffnungen der Märkte auf eine lockere Geldpolitik einen deutlichen Dämpfer verpasst. Stand Jetzt geht die Fed davon aus, dass sie in 2023 bis auf eine Zielzone von 5,6% Leitzinsen kommen wird. Das liefert Spielraum für zwei weitere Zinserhöhungen um 0,25%.

Der Markt rechnet derzeit für den nächsten Zinsentscheid am 26. Juli mit einer knappen ¾ Mehrheit damit, dass die Fed die nächste Zinserhöhung auf eine Rate von 5,25 – 5,5% entscheiden wird.

Fed hat weiterhin Angst vor Inflation

Die am Dienstag veröffentlichten Inflationsdaten haben zwar einen weiteren deutlichen Rückgang gezeigt: Von 4,9% im Vormonat ist sie im Mai auf 4,0% gegenüber Vorjahr zurückgegangen. Das war mehr als die vom Markt erwarteten 4,1%. Dennoch sieht die Fed die Inflation weiterhin als Gefahr für die Wirtschaft und hält das anvisierte Ziel von 2% für noch weit entfernt. Bis Jahresende 2023 rechnet die Fed mit einer Inflationsrate von noch 3,2%.

Grund für die weiterbestehenden Risiken einer anhaltenden Inflation sieht die Fed im weiterhin starken US-Arbeitsmarkt. Die Fed rechnet nun damit, dass die US-Wirtschaft bis Jahresende um 1% wachsen wird (die vorherige Prognose lag bei lediglich 0,4%). Auch die Arbeitslosenrate notiert mit 4,1% noch deutlich unter dem von der Fed für eine gut laufende Wirtschaft als annehmbar eingestuften Ziel von 5%.

Eine hohe Beschäftigung kann die Inflation aus Sicht der Fed-Offiziellen weiter befeuern, da die Gehälter aufgrund der anhaltenden Inflation nach oben angepasst werden und so eine Lohn-Preis-Spirale entstehen lassen können. Eine Abkühlung des Arbeitsmarktes ist aus Sicht der Fed ein Schlüssel zur Bekämpfung der Inflation.

Die Fed geht derzeit davon aus, dass es bis 2025 dauern könnte, bis die Inflation wieder im gewünschten Zielkorridor von 2% ankommt. Damit könnten uns noch für mehr als 2 Jahre ein hohes Zinsumfeld erwarten.

Wie reagiert der Markt?

Der Zwiespalt aus der gewünschten Zinspause und den anschließenden hawkishen Aussagen von Jerome Powell hat an den Aktienmärkten für deutliche Volatilität gesorgt. Am Ende gab es jedoch keine Abverkäufe im S&P500, der positiv aus dem Handelstag gegangen ist und seine Rally damit weiter fortsetzt.

Bitcoin hat die unbefriedigende Sitzung da schon deutlich negativer getroffen. Nach dem erheblichen Druck, der durch die neue Offensive der US-Börsenaufsicht SEC für Verluste gesorgt hat, musste der Kurs im gestrigen Handel wichtige charttechnische Unterstützungen aufgeben. Nach einem mehrtägigen Retest des Bullmarket-Supportbands ist der Kurs deutlich daruntergefallen und musste zudem auch die runde Marke von 25.000$ aufgeben.

An den Anleihemärkten wird nach den Aussagen von Powell wieder zunehmend eine Rezession eingepreist. Die Zinssätze kurzfristiger Anleihen sind deutlich geklettert und sorgen damit wieder für eine stärkere Invertierung der Yield-Kurve. Ein deutliches Signal für eine anstehende Rezession.

Wie geht es mit der Geldpolitik weiter?

Powell hat auf der Pressekonferenz klar gemacht, dass die Fed nun zunehmend auf Sicht fährt, um die Auswirkungen ihrer Geldpolitik auf die Inflationsentwicklung zu beobachten. Das heißt, sollten wir bis zur nächsten Zinssitzung in 6 Wochen und darüber hinaus einen weiteren deutlichen Rückgang der Inflation und eine Abkühlung der Wirtschaft sehen, dürften weitere Zinserhöhungen trotz der Aussagen von Powell schnell vom Tisch sein.

Zinserhöhungen wirken sich unmittelbar auf die Finanzmärkte aus. Das hat man in Form des Bärenmarktes in 2022 gesehen. Auf die Realwirtschaft haben sie jedoch nur eine sehr verzögerte Wirkung. Es ist gut möglich, dass Inflation und Arbeitsmarktdaten in den nächsten Monaten schneller zurückfallen als es den Notenbankern lieb ist.

Nachdem die Fed bereits den ersten gängigen politischem Fehler begangen hat und zu lange davon ausgegangen ist, dass die Inflation nur ein temporäres Phänomen ist, besteht nun die realistische Gefahr, dass sie einen zweiten häufig gesehenen politischen Fehler macht und zu lange am Schreckgespenst der Inflation festhält und die Märkte durch ihre anhaltend straffe Geldpolitik zu sehr in Mitleidenschaft ziehen wird. Auf die Prognosen der Fed sollte man sich als Anleger definitiv nicht verlassen.

Zudem gibt es immer noch einige Wildcards, die die Lage sehr schnell in eine andere Richtung treiben können. Der größte Gefahrenherd, der unmittelbar durch die hohen Zinsen befeuert wird, bleibt der Bankensektor – und im Speziellen der Gewerbe-Immobilien-Sektor, der durch die letzten Jahre aufgrund von Lockdowns, Homeoffice usw. besonders in Mitleidenschaft gezogen worden ist.

Powell hat dies in der Pressekonferenz sogar angesprochen, die Risiken aus diesem Sektor jedoch eher heruntergespielt. Er hat zwar auf die Gefahr von Verlusten in den Balancesheets der Banken hingewiesen, diese seien jedoch größtenteils bei kleineren Banken und „gut verteilt“. „In dem Maße, in dem es gut verteilt ist, kann das System Verluste erleiden“, sagte er und fügte hinzu: „Es fühlt sich wie etwas an, das noch einige Zeit bestehen wird, im Gegensatz zu etwas, das plötzlich zuschlägt und sich als systemische Risiken entfaltet.“

Etwas anderes kann Powell auch schlecht sagen, da er sonst wahrscheinlich eine Panik am Markt heraufbeschwören würde. Die Fed fährt weiterhin ihren gefährlichen Spagat der Inflationsbekämpfung, ohne das Bankensystem dabei zu nahe an den Abgrund zu steuern. Die Liquiditätsleitungen in den Sektor sind bereits seit längerem wieder aufgedreht. Sollte sich die Lage jedoch verschlechtern, werden wahrscheinlich schnell weitere Maßnahmen nötig sein – und auch die Zinspolitik dürfte im Falle einer neuen Ausweitung der Krise schnell angezweifelt werden.

Bitcoin-Rally vorerst beendet?

Bitcoin ist stark ins Jahr gestartet und hat sich aus den Tiefen seines Bärenmarktes herausgekämpft. Das derzeitige makroökonomische Bild liefert allerdings wenig Rückenwind. Die übergeordneten Märkte spekulieren bereits seit Anfang des Jahres darauf, dass die Fed endlich zurückrudert und die Lage für Aktien wieder angenehmer wird. Die ausgedehnte Rally an den Aktienmärkten in Kombination mit besser als erwarteten Geschäftszahlen spiegelt diese Erwartung wider und kann sich auch noch eine Weile fortsetzen.

Bitcoin hat, außer was seine langfristigen Preiszyklen angeht, derzeit jedoch keine wirklichen Treiber, da das Makrobild momentan keine Hilfe ist. Hinzukommt die deutliche Schwäche des restlichen Krypto-Sektors. Der weitere Krypto-Markt jenseits von Bitcoin und Ethereum konnte der Bitcoin-Rally seit Jahresanfang nur mit wesentlich weniger Schwung folgen und präsentiert sich charttechnisch weiterhin schwach.

Grund für die zuletzt wieder deutlich negativer gewordene Stimmung ist der neuerliche Feldzug der SEC, der mit Angriffen gegen die US-Sparte von Binance und die US-Handelsplattform Coinbase fortgeführt wurde. Das Umfeld in den USA für Krypto-Assets und Krypto-Unternehmen wird zunehmend feindlicher. Dies dürfte sich die nächsten Monate auch nicht andern, solange nicht gegen SEC-Chef Gary Gensler und dessen fragwürdigen Taktiken vorgegangen wird oder eines der im Visier stehenden Unternehmen einen deutlichen Erfolg vor Gericht feiert. Perspektivisch dürfte sich erst im US-Wahljahr 2024 hier etwas ändern, wenn eine krypto-freundlichere Regierung an die Macht kommt. Potenzial dafür gibt es sowohl bei den Demokraten als auch bei den Republikanern.

Sollte sich die derzeitige charttechnische Schwäche fortsetzen und Bitcoin wichtige Indikatoren wie den 200-Wochen-Trend oder das Bullmarket-Supportband nicht zurückerobern, dann rückt ein Retest des 200-Tage-Trends auf dem Niveau von 23.800$ ins Visier. Darauffolgend könnte im negativen Fall ein Restest der runden Marke von 20.000$ folgen.

Aufgrund des anhaltenden Drucks von mehreren Seiten ist die Wahrscheinlichkeit nun hoch, dass der kurze Ausflug über die Marke von 30.000$ bereits das Top für diese Zwischenrally gewesen sein dürfte. In diesem Fall könnte nun eine längere Seitwärtsphase in der Spanne zwischen 25.000$ und 22.000$ anstehen. Weitere Entwicklungen dürften dieses Jahr vom Makrobild, genauer von der weiteren Geldpolitik und den wirtschaftlichen Entwicklungen, sowie des Banken-Sektors kommen, bevor in 2024 das Halving wieder stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten dürfte.

Denkt immer langfristig!

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