Zündet der Bitcoin-Bullrun auch im Falle einer Rezession?

Wenn man derzeit auf die Finanzmärkte schaut, könnte man meinen, dass wir uns in rosigen Zeiten befinden. Viele der großen Aktienindizes notieren nahe oder bereits wieder über ihren Allzeithochs, die Zinsen an den Anleihemärkten sinken wieder und auch Bitcoin befindet sich wieder wesentlich näher an seinem letzten Allzeithoch aus dem Bullrun im Jahr 2021. Es gibt momentan definitiv eine gewisse Diskrepanz zwischen der wirtschaftlichen Realität und der Erwartungshaltung der Finanzmärkte.

Kommt eine Rezession?

Es schreit zumindest alles danach, dass uns eine Rezession erwartet. Einer der historisch gesehen zuverlässigsten Indikatoren ist die Invertierung der Zinskurve an den Anleihemärkten. Sobald diese sich wieder aufhebt, tritt in der Regel eine Rezession ein. Eine normale Kurve deutet darauf hin, dass mit stärkeren wirtschaftlichen Aktivitäten, einer höheren Inflation und höheren Zinssätzen in der Zukunft gerechnet wird. Eine Abflachung, bzw. Invertierung signalisiert jedoch die Erwartung auf kurzfristige Zinserhöhungen und Risiken für die Wirtschaft. Die Re-Invertierung ist meist das Ergebnis einer geldpolitischen Intervention, um die Wirtschaft aufzufangen, da die Zinsen am kurzen Ende wieder gesenkt werden.

Auch der US Manufacturing Purchasing Manager´s Index (PMI) signalisiert eine Rezession. Der Index basiert auf einer Umfrage unter Einkaufsmanagern in verschiedenen Industriezweigen. Der PMI wird aus fünf Hauptkomponenten zusammengesetzt: Neuaufträge, Produktion, Beschäftigung, Lieferungen von Zulieferern und Lagerbestände. Ein PMI über 50 zeigt eine Expansion des verarbeitenden Gewerbes an, während ein Wert unter 50 eine Kontraktion anzeigt. Seit Ende 2022 notiert er wieder unter einem Wert von 50 und signalisiert damit eine Rezession.

Quelle: https://tradingeconomics.com/united-states/business-confidence

Ein weiterer Frühindikator ist der Leading Economic Index (LEI), der aus einer Reihe von einzelnen Indikatoren zusammengesetzt ist. In den USA umfassen diese beispielsweise: Auftragseingänge für langlebige Güter, Anzahl der Baugenehmigungen, Aktienmarktpreise, Verbrauchervertrauensindex, Zinsstrukturkurve (Differenz zwischen kurz- und langfristigen Zinsen), Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe und durchschnittliche Wochenarbeitsstunden in der Produktion. Seit 2022 befindet sich der LEI auf Talfahrt. Zuletzt waren steigende Aktienkurse der einzige positive Indikator.

Quelle: https://www.conference-board.org/topics/us-leading-indicators

Auch an den Märkten ist die Erwartung an die Wirtschaft nicht unbedingt optimistisch. Wie diese Zusammenfassung des Makro-Analyse-Anbieters TS Lombard zeigt, erwartet ein Großteil der US-Banken für 2024 zumindest eine milde Rezession.

Viele Marktteilnehmer rechnen damit, dass sich die Effekte der straffen Geldpolitik wie bereits in vergangenen Zinserhöhungsphasen erst mit einiger Verzögerung auswirken werden und dass damit ein großer Teil des Drucks für die Wirtschaft erst noch kommen dürfte.

Was signalisiert der Markt?

Trotz des Konsensus darüber, dass eine Rezession das wahrscheinlichste Szenario ist, zeigt der Markt sich von seiner bullischen Seite. An den Märkten wird stets die Zukunft eingepreist und entsprechend wurde direkt reagiert, als die Federal Reserve Ende 2021 ihren geldpolitischen Straffungspfad angekündigt hatte. Im Jahr 2022 wurde eine Rezession bereits zum großen Teil eingepreist.

Mittlerweile sind die Märkte wieder fleißig dabei, bereits eine entsprechende Gegenreaktion der Fed einzupreisen. Die Inflation ist im Griff, die Wirtschaft zeigt Anzeichen von Schwäche – Zeit für geldpolitische Lockerung. Diese Erwartungshaltung kann man gut an den Prognosen für den Leitzins bis Ende 2024 erkennen. Ein Großteil des Marktes rechnet für 2024 mit deutlichen Zinssenkungen.

Quelle: https://www.cmegroup.com/markets/interest-rates/cme-fedwatch-tool.html

Trotz des guten Laufs zeigt der Markt jedoch bisher noch keine Anzeichen für eine übermäßige Euphorie. Im Gegenteil, wenn man sich besonders den Relative Strength Index (RSI) im längerfristigen Bild anschaut, dann scheint diese Rally noch eine Menge Spielraum zu haben. Der RSI ist ein Index zwischen 0 und 100 und gibt Aufschluss über den Zustand der Märkte. Bei Werten von über 70 gilt ein Asset als überkauft (und signalisiert damit Abwärtspotenzial) und bei einem Wert von unter 30 als überverkauft (ein Signal für Aufwärtspotenzial).

Der SPX notiert derzeit auf Monatssicht bei einem Wert von etwa 62 und hat damit noch einigen Platz bis zum überkauften Niveau.

Der Nasdaq als vorlaufender Indikator für die Aktienmärkte ist bereits etwas fortgeschrittener und notiert bei einem Wert von etwa 65 Punkten, hat damit jedoch auch noch weiteren Spielraum.

In einem Bullenmarkt ist es nicht unüblich, dass Indizes mehrere Monate in einem überkauften RSI-Bereich notieren.

Auch Bitcoin hat noch deutlichen Spielraum und notiert derzeit bei einem Wert von etwa 64 Punkten. Zuletzt hat der Bitcoin-Kurs sich auf Monatssicht in einem überkauften Bereich befunden, als er im Oktober 2020 in die heiße Phase des letzten Bullruns übergegangen ist. Daraufhin ist er mehrere Monate im überkauften Bereich geblieben, bis im Mai 2021 die erste heftige Korrektur kam.

Im Zuge des Doppeltops bei 69.000$ Ende 2021 ist er ein weiteres Mal kurz in den überkauften Bereich gewechselt. Der letzte Bullrun war aus Sicht vieler Marktbeobachter ein ungewöhnlicher, da es mit der Pandemie und allen Begleiterscheinungen eine starke Disruption der Märkte gegeben hat. In früheren Bullenmärkten hat sich der Kurs deutlich länger in einem überkauften Bereich aufgehalten. Sollte der Bitcoin-RSI-Wert auf Monatssicht also erneut in den überkauften Bereich eintreten, könnte das ein starkes Signal dafür sein, dass der Bullrun in seine heiße Phase übergeht und diese mehrere Monate anhält.

Auch wenn man auf die allgemeine Marktvolatilität schaut, könnte hier bald eine größere Bewegung anstehen. Der VIX – der Volatilitätsindex für den S&P 500 – gilt als aussagekräftiger Indikator für den allgemeinen Volatilitätszustand der Finanzmärkte. Seit über einem Jahr befindet er sich im Rückgang und notiert derzeit wieder auf einem Niveau von vor der Pandemie-Krise.

Ein baldiges Ausbrechen der Volatilität wäre möglich, wenn sich beispielsweise neue Daten bezüglich einer Rezession ergeben oder sich etwas maßgeblich in Sachen Geldpolitik verändern sollte. Dabei ist jedoch nicht klar, ob es für die Märkte nach oben oder nach unten geht, sondern es ist lediglich ein Signal für eine steigende Preisvolatilität.

Was sagt die Liquidität – der Treibstoff für die Märkte?

Wie bereits in einigen vergangenen Beiträgen von mir beschrieben, speist sich die Rally derzeit hauptsächlich aus dem Liquiditätstopf des Reverse Repo Programms der Federal Reserve. Dieses Geld fließt in kurzfristige Staatsanleihen und über Umwege in die Märkte (durch Ausgaben der Regierung oder Zinsen über Geldmarktfonds etc.) Noch ist der Topf nicht leer, daher besteht von dieser Seite noch etwas Spielraum für die Märkte. Zuletzt hat es zudem wieder einen deutlichen Anstieg im RRP gegeben, das hat jedoch wahrscheinlich eher mit dem Jahreswechsel zu tun, da Fonds aus mehreren Gründen ihre Balancesheets umschichten (Steuer, End of Year Performance, Window Dressing, etc.)

Sollte diese Liquiditätsquelle sich dem Ende zuneigen, gibt es zunächst weiteres Pulver aus der Kriegskasse des US-Finanzministeriums, in der auch noch einige Milliarden vorrätig sind. Dieser Topf dürfte sich im Ernstfall jedoch wesentlich schneller leeren, da die USA über diesen Topf die Rechnungen bezahlt.

Der Markt rechnet damit und preist es entsprechend bereits ein: früher oder später muss die Fed kommen und für neue Liquidität sorgen. Während der letzten Pressekonferenz im Dezember wurden bereits drei Zinssenkungen in Aussicht gestellt. Doch es wird wahrscheinlich mehr nötig sein, damit die US-Regierung ihren riesigen Schuldenberg refinanzieren kann. Alleine im Zeitraum der nächsten drei Jahre werden über 7 Billionen Dollar an Rückzahlungen fällig, die das US-Finanzministerium über Refinanzierungen bedienen muss, da der US-Staatshaushalt bereits seit Jahrzehnten ein großes Defizit fährt und die Schulden nicht über Steuereinnahmen tilgen kann.

Im langfristigen Zeitfenster bestimmt die Liquidität bereits seit Jahrzehnten die Richtung der Märkte und dieser Einfluss wird durch die stetig größer werdenden Interventionen der Zentralbanken immer größer. Vermögenswerte an den Finanzmärkten spiegeln letzten Endes nur wider, dass der Nennwert ausgedehnt wird, mit dem der Wert dieser Vermögenswerte bemessen wird – die Geldmenge.

In 2023 ist die Geldmenge bereits wieder ausgeweitet worden, wie diese Zusammenfassung der Geldmenge der vier größten Zentralbanken – der FED, der EZB, der Bank of China und der Bank of Japan – zeigt.

Quelle: https://en.macromicro.me/charts/3439/major-bank-m2-comparsion

In den letzten Monaten ist sie nach einem starken Anstieg zu Jahresbeginn wieder etwas zurückgekommen, doch wie man anhand des jährlichen Prozentualen Vergleichs sehen kann, zeigt die Entwicklung wieder deutlich nach oben.

Die chinesische und die japanische Notenbank setzen bereits wieder auf eine geldpolitische Lockerung. Die US-Notenbank steht offiziell kurz davor und im Hintergrund hat sie in 2023 durch die Rettung des US-Bankensektors bereits wieder gelockert. Die EZB wird der FED mit etwas Verzögerung ebenfalls folgen.

Was kann man aus der Investment-Perspektive daraus mitnehmen?

Die Märkte preisen ein, was offensichtlich ist: Der nächste geldpolitische Lockerungszyklus wird benötigt, um den Schuldenhunger der Welt zu befriedigen. Assets werden in diesem Umfeld steigen, da der Nennwert für ihre Bewertungsgrundlange ausgedehnt wird. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass der nächste Zyklus bereits wieder im Gange ist. Deswegen stehen die Zeichen für einen Bitcoin Bullrun sehr gut, selbst wenn eine Rezession ausbrechen sollte.

Die einzige Variable scheint einmal mehr die Federal Reserve zu sein. Dass sie lockern wird, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Sie hat kaum eine andere Wahl, wenn sie der US-Wirtschaft und auch den globalen Finanzmärkten keine erheblichen Schäden zufügen will, unter denen alle leiden würden. Nur das Timing ist wie immer der entscheidende Punkt. Im ungünstigsten Fall setzt die Notenbank die Weichen zu spät und es kommt erneut zu Verwerfungen an den Märkten, die für eine weitere Achterbahnfahrt sorgen werden. Im besten Fall schafft die Fed es, den Übergang halbwegs glimpflich zu gestalten und in eine Lockerung überzugehen, die die Wirtschaft stützt, ohne dass die Inflation zurückkommt.

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Disclaimer: Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Sie ersetzen nicht die selbständige, sorgfältige Prüfung und eingehende Analyse des Investments (Due Diligence), sowohl in Bezug auf seine Chancen als auch auf seine Risiken und ihre persönliche Tragbarkeit. Die Informationen stellen ausdrücklich keine Aufforderung zum Kauf, Halten oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder anderen Anlageprodukten dar. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des Autors wieder. Weder der Autor noch decentralist.de haften für Verluste oder Schäden irgendwelcher Art, die im Zusammenhang mit dem Inhalt des Artikels oder einem auf der Grundlage der darin enthaltenen Informationen getätigten Investment stehen.

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