ETF-Sparplan oder Krypto? Was ist wirklich besser für (junge) Anleger?

Der klassische ETF-Sparplan ist der unangefochtene König der Investment-Strategien für Jedermann. Und die Vorteile von ETFs sind auch wirklich nicht zu verachten. Man erhält die Möglichkeit, über ein einzelnes Investment-Vehikel in den Gesamtmarkt zu investieren. Und das auf sehr einfache Weise, da man ETF-Sparpläne automatisch ausführen lassen kann.

Die Wirtschaft mag sehr komplex sein, denn es gibt konjunkturelle Zyklen, die sich unterschiedlich auf verschiedene Wirtschaftsbereiche auswirken und einzelne Unternehmen performen sehr unterschiedlich. Es gibt unerwartete Highflyer und es gibt Firmen, die trotz eines vielversprechenden Ansatzes scheitern können. Wenn man die Möglichkeit hat, in den Gesamtmarkt zu investieren, ist das jedoch irrelevant, den die Wirtschaft als solches kennt – zumindest in der langfristigen Perspektive – nur eine Richtung: nach oben. Mit ETFs kann man als Anleger seinen Teil des Kuchens davon abzweigen, ohne dass man große Kenntnisse braucht oder Mühen aufwenden muss. Man braucht lediglich die Tugend der Geduld.

ETFs sind zudem ein Produkt aus der traditionellen Finanzwelt. Man investiert über ETFs in Unternehmen, die eine reale Nachfrage bedienen und echten Mehrwert für die Gesellschaft erzeugen. Der Krypto-Sektor ist ein noch junges Phänomen, der sich aus der Blockchain-Technologie herausgebildet hat und in dem Unternehmen aufgebaut werden, die brillante Usecases für die Zukunft versprechen. Bisher ist ein Großteil davon jedoch reine Theorie und der bisher einzige Usecase abseits von Bitcoin, der in dieser Welt wirklich bedient wird, ist die Lust auf Spekulation und die Wetten auf die Zukunft. Das Potenzial ist ohne Zweifel da, doch die reale Anwendung ist noch gering.

ETFs sind einfach und elegant, doch sie geben einen engen Pfad vor

ETFs liefern eine gewisse Endgültigkeit, die in ihrer Gestaltungsweise begründet ist. Sie bilden den Markt mit einer bestimmten Gewichtung ab und sollte ein Vermögenswert innerhalb des Korbs aus Assets zu stark oder zu schwach performen, wird er entsprechend umgewichtet, um die Balance aufrechtzuerhalten. Dadurch bildet ein ETF, beispielsweise der MSCI World, der die 1600 größten Unternehmen weltweit umfasst, den Gesamtmarkt aussagekräftig ab und als Anleger profitiert man entsprechend von dem langfristigen Wachstum des Gesamtmarktes.

Allerdings ist so auch ausgeschlossen, dass man einen absoluten Volltreffer landen und mit einem Investment in einen Einzelwert reich werden kann, der in einem relativ kurzen Zeitraum eine extreme Performance abliefert. Dieser Pfad ist mit ETFs nicht begehbar, sondern eröffnet sich Investoren nur, wenn sie mehr Zeit und Mühen aufwenden, um solche Einzelwerte zu finden, die das Potenzial haben sich zu vervielfachen.

Die Verteilung ist hier klar: ETFs stellen ein solides Werkzeug dar, welches seine Arbeit zuverlässig macht und erfordern nur geringen Aufwand, um loszulegen und dabei zu bleiben. Dafür ist jedoch der Spielraum eingeschränkt. Anlegern, die den Pfad des aktiven Investierens beschreiten, sich also Einzelwerte heraussuchen und ihr Investment beispielsweise durch Trades viel aktiver gestalten, steht das gesamte Spektrum offen: Den potenziellen Gewinnen sind keine Grenzen gesetzt, doch das Risiko ist um ein Vielfaches höher, ebenso wie das benötigte Knowhow, die Zeit und Ressourcen, die es kostet, auf eigene Faust am Markt unterwegs zu sein.

Bei Krypto-Assets ist bisher nur die zweite Variante möglich. Der Sektor ist noch weitestgehend separiert von der traditionellen Finanzwelt und es gibt bisher keine ETF-Produkte, die einen signifikanten Teil des Krypto-Marktes abbilden. Im Fall von Aktien stehen Anlegern beide Varianten offen. Allerdings liefert der Krypto-Sektor bei der zweiten Variante eine sehr viel extreme Spannbreite. Das Verlustrisiko ist noch einmal wesentlich höher als bei Investments in Einzelaktien. Doch auch die potenziellen Renditen im Krypto-Sektor während eines Bullenmarktes sind kein Vergleich zum Aktienmarkt. Diese liegen um ein Vielfaches höher.

Das Ziel gibt die Strategie vor, nicht andersherum

Worauf möchte ich mit dieser zunächst etwas unpassend erscheinenden Gegenüberstellung hinaus? Immerhin reden wir hier über zwei unterschiedliche Assetklassen. Letzten Endes hängt alles von den langfristigen Zielen ab, die man sich als Investor setzt. Und hier machen die meisten Anleger auch bereits den ersten Fehler: Sie definieren ihre langfristigen Ziele nicht klar genug oder manchmal sogar gar nicht. Das öffnet Tür und Tor für emotionale Handlungen, impulsive Käufe oder Verkäufe und letzten Endes für Verluste.

Ich möchte diese Thematik einmal von der entgegengesetzten Richtung angehen und teile die verschiedenen Investmentmöglichkeiten so auf, wie sie meiner persönlichen Meinung nach am besten für ganz bestimmte, langfristige Investmentziele geeignet sind:

ETF-Sparplan

Die Vorteile eines ETF-Sparplans habe ich am Anfang bereits ausgeführt. Es ist der effizienteste Weg, das eigene Kapital so anzulegen, dass der Wohlstand langfristig erhalten bleibt und sich im Bestfall vermehrt. Die meisten Profi-Investoren, Hedgefonds und Co. schlagen den Markt langfristig nicht, daher ist es vor allem für fachfremde Investoren, die nicht viel Zeit und Ressourcen in die Thematik stecken wollen oder können, das beste Werkzeug, wenn sie ihr Kapital erhalten wollen.

Das Ziel: Man möchte sein Geld über einen langen Zeitraum gewinnbringend parken und den langfristigen negativen Folgen des inflationären Modells unseres derzeitigen Geldsystems ausweichen. Man möchte seinen Wohlstand, den man sich durch seine Arbeit aufbaut, erhalten, indem man sein Kapital in die Wirtschaft steckt – in Unternehmen, die laufend echten Mehrwert erzeugen.

Über einen sehr langen Zeitraum gestaltet sich das Risiko als relativ gering, da die Wirtschaft auch nach schweren Zeiten wieder wächst und man durch regelmäßige Investments die günstigeren Kaufpreise automatisch mitnimmt. Wenn man sich an die Strategie hält und Geduld hat, kann man eigentlich wenig falsch machen. Schnell reichen werden kann man mit dieser Strategie jedoch nicht. Im Gegenteil, diese Strategie wirkt sich besser aus, je mehr Kapital man laufend investieren kann. Sollte es über lange Zeiträume bei geringen Beträgen bleiben, kann man auch nach einem langen Zeitraum keinen enormen Wohlstand erwarten.

Einzelinvestments in verschiedene Assets

Wenn man seinen Wohlstand wirklich stark durch Investments ausweiten möchte, dann muss man zunächst etwas anderes investieren als Geld: Man muss eine Menge Zeit und Mühen aufwenden, um sich das notwendige Knowhow anzueignen, um – zumindest potenziell – in der Lage zu sein, die Märkte so zu spielen, dass man aus wenig Kapital viel Kapital machen kann. Zudem muss man auch für das Investieren an sich mehr Zeit aufwenden, da die Recherche und die aktive Verwaltung des Portfolios um ein Vielfaches aufwändiger sind als bei einem ETF-Sparplan.

Das Spektrum ist hier wie bereits beschrieben sehr hoch. Der Totalverlust des investierten Kapitals ist je nach Asset und Strategie viel wahrscheinlicher. Aber eben auch die potenziellen Renditen können gigantisch sein. Allerdings ist das Verhältnis hierbei auch klar: Nur wenige Investoren bringen die nötige Disziplin auf, sich das Wissen anzueignen, nach einer strikten Strategie anzuwenden und konsistente Gewinne zu erzielen. Das gilt bei Aktien genau wie bei Krypto-Assets oder anderen Vermögenswerten.

Das Ziel bei dieser Strategie ist ganz klar: Aus wenig Geld viel Geld machen und dafür bereit sein, hohe Risiken und eine Menge Zeitaufwand in Kauf zu nehmen.

Bitcoin

Bitcoin gestaltet sich anhand seiner Möglichkeiten als Investmentvehikel wie eine Art Hybrid aus den beiden anderen Kategorien. Bitcoin ist kein Einzelwert in dem Sinne, wie eine Aktie oder ein einzelnes Krypto-Projekt, sondern Bitcoin ist in seinem Ansatz ein Geldsystem oder Wertspeicher. Zudem bildet Bitcoin als absolutes Zugpferd auch die Performance des gesamten Krypto-Sektors ab, bzw. prägt diese sogar maßgeblich. Daher kann man Bitcoin in gewisser Weise als Abbildung und damit Investmentmöglichkeit in den Krypto-Sektor als Ganzes betrachten – ähnlich wie es bei einem ETF und dem Aktienmarkt der Fall ist.

Aufgrund seines frühen Stadiums und seiner in Relation zu den traditionellen Finanzmärkten oder im direkten Vergleich mit Gold, dem Euro oder Dollar immer noch geringen Größe hat Bitcoin jedoch immer noch erhebliches Wachstumspotenzial, wenn sich seine Adaption weiter fortsetzt. Und das hat Bitcoin das letzte Jahrzehnt über die Aktienmärkte outperformen lassen – was ihn potenziell damit zur besseren Wahl gegenüber ETF-Sparplänen macht, was das Renditepotenzial angeht.

Bitcoin eignet sich daher als perfekte Ergänzung für ETF-Sparpläne, da das Asset einen deutlichen Performance-Boost erzeugen kann. Um mit wenig Kapital wirklich reich zu werden, eignet sich Bitcoin aufgrund seiner bereits hohen Marktkapitalisierung jedoch nicht mehr wirklich. Wer dazu mehr wissen will, dem empfehle ich mein Video zu diesem Thema.

Mein Fazit

Es gibt leider wie immer keine Universal-Antwort. Die beste Antwort ist jedoch aus meiner Sicht, dass eine ganz klare Zielsetzung der beste Grundstein ist, um sich eine langfristige Investmentstrategie aufzustellen. Will man seinen Wohlstand bewahren, ein wenig vermehren, oder will man aus wenig Geld viel Geld machen? Wie viel Zeit und Mühen ist man bereit, in das Thema Investments zu stecken? Die Antwort auf diese Fragen bestimmt letzten Endes auch die Investment-Strategie.

Zum Schluss will ich mich noch auf die in der Überschrift gestellte Frage beziehen: Was ist (meiner persönlichen Meinung nach) besser für junge Investoren, ein ETF-Sparplan oder ein aktives Investment in Krypto-Werte?

In der Regel sieht die Ausgangslage, je jünger man ist, wie folgt aus: Man hat viel Zeit und wenig Geld. Je älter man wird, desto mehr verschieben sich diese beiden Sachen in die gegenteilige Richtung, da das Berufsleben dies mit sich bringt. Hinzu kommt, dass wir in immer chaotischer werdenden Zeiten leben. Dinge wie die Rente, politische oder wirtschaftliche Stabilität geraten immer mehr ins Wanken. Daher wird es immer wichtiger, für sich selbst vorzusorgen und sich um den Aufbau des eigenen Wohlstands zu kümmern. Auf den Staat sollte man sich dabei keinesfalls verlassen.

Deswegen ist aus meiner Sicht die auf den ersten Blick riskantere Variante für junge Menschen sinnvoller. Sich tiefgreifend mit der Materie zu befassen, das nötige Wissen anzueignen und nach eigener Recherche in bestimmte Projekte zu investieren, kann im besten Fall früh dafür sorgen, dass man ein wenig Kapital und damit mehr Spielraum für sich selbst aufbauen konnte. Im schlimmsten Fall hat man nur wenig Geld verloren, da man in jungen Jahren in der Regel sowieso nur wenig hat – und man hat noch ein ganzes Leben, um das Geld zurückzuverdienen.

Man kann Einzelinvestments in Aktien tätigen. Müsste ich jedoch noch einmal von Null starten, würde ich mich erneut ausschließlich auf Krypto konzentrieren. Das Risiko ist zwar aus vielen Gründen noch einmal höher. Doch das Potenzial ist um ein Vielfaches größer als an den traditionellen Finanzmärkten, einfach weil der Sektor noch so klein ist, das Potenzial für echten Mehrwert in der Zukunft aber gigantisch ist. Das muss natürlich am Ende jeder für sich selbst entscheiden.

Lernen wird man dabei jedoch mit Gewissheit einiges – über Geld, über die Finanzwelt und auch über sich selbst. Später, wenn man fester im Berufsleben steht und mehr Cashflow durch Einkommen oder sonstige Quellen zur Verfügung hat, kann man immer noch Sparpläne und Investmentstrategien mit dem Fokus auf mehr Sicherheit aufbauen. Ein Leben ohne Risiken ist nicht möglich, besonders da wir keinen Einfluss auf die Entwicklung der Welt haben. Und da die übergeordneten Risiken unberechenbar sind und auch die scheinbar sichere Variante der ETF-Sparpläne nicht gänzlich vor den Risiken auf der Makro-Ebene sicher ist, sollte man den Schritt ins Risiko in jungen Jahren besser wagen, um nicht gänzlich unvorbereitet und hilflos einer immer ungewisseren Zukunft entgegenzuschreiten.

Weitere Infos:

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Disclaimer: Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Sie ersetzen nicht die selbständige, sorgfältige Prüfung und eingehende Analyse des Investments (Due Diligence), sowohl in Bezug auf seine Chancen als auch auf seine Risiken und ihre persönliche Tragbarkeit. Die Informationen stellen ausdrücklich keine Aufforderung zum Kauf, Halten oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder anderen Anlageprodukten dar. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des Autors wieder. Weder der Autor noch decentralist.de haften für Verluste oder Schäden irgendwelcher Art, die im Zusammenhang mit dem Inhalt des Artikels oder einem auf der Grundlage der darin enthaltenen Informationen getätigten Investment stehen.

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