Ethereum-Merge: Alles, was man aus Investment-Perspektive wissen muss

Der Countdown läuft – am 19. September soll der „Merge“ stattfinden und Ethereum von einem Proof-of-Work-Konsensmechanismus zu einem Proof-of-Stake-Konsensmechanismus wechseln. Dieses Upgrade der Ethereum-Blockchain soll den Grundstein für eine wesentlich bessere Effizienz und Skalierung des Netzwerks legen.

Was ist der Merge?

Im Zuge des Merges wird das derzeitige Ethereum-Mainnet mit der sogenannten Beacon-Chain verbunden. Die Beacon-Chain ist eine separate Ethereum-Chain, die bereits mit dem Proof-of-Stake-Konsensmechanismus läuft und Ende 2020 gestartet wurde.

Diese Chain wurde zunächst von den Entwicklern isoliert aufgebaut, damit Tests durchgeführt werden und das Ethereum-Mainnet parallel weiterlaufen konnte. Die besondere Herausforderung des Wechsels von PoW zu PoS bei Ethereum liegt darin, dass das Netzwerk bereits tausende von Projekten beheimatet, die über die Jahre ein funktionierendes Ökosystem aufgebaut haben. Um das Ökosystem nicht zu gefährden, wurde die Beacon-Chain zunächst separat vorbereitet.

Die Beacon-Chain wird für die PoS-Variante von Ethereum eine Schlüsselrolle bei der Administration einnehmen. Mehr Details erfahrt ihr in dem Artikel zu Proof of Stake.

Die Beacon-Chain läuft seit Dezember 2020 ohne Ausfälle. Laut Daten von Etherscan gibt es derzeit über 410.000 aktive Validatoren und es sind mehr als 13 Millionen Ether gestaked. Um in Zukunft als Validator für Ethereum-Transaktionen zugelassen zu werden, muss man mindestens 32 Ether als Sicherheit hinterlegen. Die bereits in der Beacon-Chain hinterlegten Ether dienen sozusagen als Platzreservierung.

Was für Auswirkungen wird der Merge auf das Ethereum-Ökosystem haben?

Für Nutzer ändert sich zunächst eigentlich nichts. Der Merge wird noch keine Auswirkungen auf die Höhe der Transaktionsgebühren oder die Geschwindigkeit des Netzwerks haben. Verbesserungen auf diesen Ebenen werden erst mit zukünftigen Upgrades kommen – vor allem das Sharding soll die Skalierung und damit auch die Gebührenstruktur erheblich verbessern. Dies wird jedoch erst für Sommer 2023 erwartet.

Anleger müssen nichts mit ihren Ether tun. Diese behalten ihre Funktion als Gebühreneinsatz, um Smart Contracts zu nutzen.

Auch für das derzeitige Ökosystem ändert sich nichts. Sämtliche Projekte und in der Vergangenheit getätigten Transaktionen werden übernommen. Es wird keine neue Chain gestartet, das derzeitige Mainnet wird lediglich an die Beacon-Chain gekoppelt und der Konsensmechanismus wechselt.

Große Auswirkungen wird es jedoch auf die Mining-Industrie haben. Eine in das Ethereum-Protokoll implementierte „Difficulty Bomb“ wird die für das Mining benötigte Rechenleistung so extrem in die Höhe treiben, dass das Proof of Work Mining für Ethereum nicht mehr möglich sein wird und die Miner de facto zwingen wird, entweder zu Validatoren zu werden und ihre Ether zu staken oder das Netzwerk komplett zu verlassen und ihre Hardware für das Mining anderer Kryptowährungen zu verwenden. Auch eine Hardfork von Ethereum wird bereits diskutiert, bei der eine Version von Ethereum erschaffen werden soll, die weiterhin auf Proof of Work läuft.

Mehr Infos dazu gibt es in diesem Artikel.

Durch den damit einhergehenden Wegfall des Ethereum-Minings wird sich der Energieverbrauch von Ethereum schätzungsweise um bis zu 99 Prozent verringern, da keine stromintensive Hardware mehr zum Betrieb der Blockchain benötigt wird.

Auswirkungen auf die Ethereum-Neuerzeugungsrate

Derzeit werden neue Ethereum-Einheiten aus zwei Quellen erzeugt. Einerseits aus der Beacon-Chain, die bereits eine Belohnung für die auf ihr gestakten Ether ausschüttet, und andererseits durch das derzeit noch aktive PoW-Mining auf dem Ethereum-Mainnet.

Nach dem Merge werden nur noch neue Ether als Belohnung für die gestakten Ether erzeugt. Die Belohnung, die PoS-Validatoren erhalten, werden jedoch signifikant geringer sein als die Belohnung aus dem derzeitigen Mining, da das Mining eine große Menge an Ressourcen verschlingt und daher einen größeren Belohnungsanreiz erfordert, während man bei PoS lediglich einmal Kapital hinterlegen muss, dass man auch wieder herausziehen kann.

Derzeit werden etwa 13,500 Ether pro Tag neu erzeugt. Das ergibt eine Inflationsrate von jährlich über 4 Prozent. Die deutlich verringerte Neuerzeugungsrate im PoS-System wird die Inflationsrate laut Schätzungen auf etwa 0,4 Prozent senken.

Dazu kommt das EIP-1559-Protokoll, das bereits in Ethereum integriert wurde und die Gebührenstruktur verändert hat. Transaktionen haben seitdem eine Basisgebühr und zusätzlich kann Minern noch ein „Trinkgeld“ gezahlt werden, damit sie die Transaktion bevorzugt abhandeln. Zusätzlich dazu wird jedoch ein fester Teil der gezahlten Gebühren verbrannt.

Schätzungen gehen davon aus, dass die Neuerzeugungsrate von Ether nach dem Merge um etwa 90 Prozent reduziert wird und auf 0,6 Millionen neue Ether pro Jahr fällt, während weiterhin etwa 2,7 Millionen Ether pro Jahr verbrannt werden. Das bedeutet, dass Ethereum nach dem Merge deflationär werden könnte, da mehr Supply verbrannt wird als neu hinzukommt. Ausgehend von den oben genannten Zahlen könnte Ethereum auf eine Deflationsrate von bis zu 7 Prozent kommen.

Ethereum-Verteilung

Das neue System könnte zu einer stärkeren Zentrierung des Kapitals führen. Während Miner zwar mehr Ether durch Gebühren und Neuerzeugung einnehmen, müssen sie jedoch auch erhebliche Kosten für Strom und Mining-Hardware decken, indem sie die geschürften Ether am Markt verkaufen.

In dem Proof-of-Stake-System wächst die Menge an Ether in den Händen der Staker jedoch kontinuierlich an, ohne dass dabei für sie weitere Kosten entstehen.

Regulatorische Probleme?

Ein weiterer Diskussionspunkt ist die regulatorische Einordnung von Ethereum nach dem Merge, da der Wechsel zu Proof of Stake die Beschaffenheit von Ether ändert. Ether könnte als „Security“, also als Wertpapier eingestuft werden, da das Staking eine feste Erwartung auf Zinsen mit sich bringt. Das könnte zu regulatorischen Maßnahmen und entsprechenden Einschränkungen oder gar Verboten führen.

Welche Auswirkungen wird der Merge auf den Preis nehmen?

Die erwartete massive Verringerung der Neuerzeugung von Ether und der durch Staking erhöhte potenzielle Nutzen der Kryptowährung könnte die Nachfrage und damit den Preis massiv steigen lassen. Ether wird derzeit zur Interaktion, bzw. Nutzung des Ökosystems benötigt, da Smart Contracts Ether als Gebühr verlangen. Auch wenn man auf Ethereum basierende Tokens versenden möchte, braucht man Ether. Die Staking-Funktion gibt noch einen weiteren Anreiz für Ether, da es nun Zinsen abwerfen kann.

Am Markt wird diskutiert, ob die mehreren Millionen Ether, die bereits seit langer Zeit in der Beacon-Chain gestaked sind, abverkauft werden, da die Halter auf großen Gewinnen sitzen. Direkt nach dem Merge wird dies jedoch wahrscheinlich noch kein Faktor sein, da die Möglichkeit der Entnahme des gestakten Kapitals noch nicht möglich sein wird. Dies soll erst mit einem späteren Update kommen.

Auch dann wird die Abhebung jedoch nur nach und nach und mit begrenzten Slots möglich sein, um die ökonomische Stabilität des Netzwerks zu beschützen.

Wie kann man als Investor mit dem Merge also umgehen?

Bereits investierte Investoren haben sich im Bestfall ohnehin bereits eine langfristige Strategie überlegt und schauen, wie der Merge über die Bühne laufen wird. Maßgebliche Verbesserungen der Effizienz und Skalierbarkeit der Ethereum-Blockchain werden ohnehin noch mindestens ein Jahr auf sich warten lassen, da dazu weitere Upgrades nötig sind.

Ethereum ist bereits seit Wochen aufgrund des erwarteten Merges im Preis angestiegen und der eigentliche Merge könnte zu einem „Sell the News“ Event werden. Ob die Verringerung der Neuerzeugungsrate zu einem Preisanstieg führen wird, ist möglich, bleibt jedoch abzuwarten. Investierte Investoren mit langfristigem Zeithorizont warten ab und überlegen sich Alternativen, sollte es beim Merge zu Problemen kommen oder dieser im schlimmsten Fall scheitern.

Eine bereits angekündigte Hardfork wäre eine Alternative – in diesem Fall muss man nichts tun, da man die geforkte Version als ETH-Halter ohnehin bekommt. Eine weitere Alternative in diesem Fall wäre Ethereum Classic. Mehr dazu in diesem Artikel.

Die bisherigen Tests sind jedoch alle reibungslos verlaufen. Ein erfolgreicher Merge wird somit wahrscheinlicher. Im August finden noch weitere, finale Tests statt, die den Merge im schlimmsten Fall weiter nach hinten schieben könnten. Dem Wechsel von Ethereum zu Proof of Stake steht jedoch nicht mehr viel im Wege.

Ob Proof of Stake langfristig ein wirtschaftlich funktionierendes Netzwerk ermöglichen kann, ist eine andere Frage. Dazu mehr im Artikel zu Proof of Stake.

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