Während sich die Kryptomärkte nach Wochen erhöhter Volatilität neu sortieren, sorgt eine aktuelle Warnung aus dem US-Research-Lager für Aufmerksamkeit. Fundstrat-Chefanalyst Tom Lee stellt Anleger auf eine schmerzhafte Marktphase im Jahr 2026 ein – sieht zugleich aber Gründe, warum Bitcoin zuvor noch neue Höchststände erreichen könnte. Für den Kryptomarkt kommt diese Einordnung zu einem sensiblen Zeitpunkt, in dem Makrotrends, Politik und Marktstruktur zunehmend ineinandergreifen.
Zwischen Hoffnung und strukturellem Gegenwind
In einem aktuellen Podcast-Interview skizzierte Tom Lee, Head of Research bei Fundstrat, ein zweigeteiltes Bild für die kommenden Quartale. Zwar rechnet Lee damit, dass 2026 – ähnlich wie das vergangene Jahr – von strukturellen Rückenwinden aus den Bereichen Blockchain und Künstliche Intelligenz geprägt bleibt. Gleichzeitig sieht er jedoch wachsende Risiken, die eine nachhaltige Rallye zunächst ausbremsen könnten. Dazu zählen geopolitische Spannungen, handelspolitische Unsicherheiten und eine zunehmende politische Fragmentierung, insbesondere in den USA.
Für die klassischen Aktienmärkte erwartet Lee im laufenden Zyklus eine deutliche Korrektur im Bereich von 15 bis 20 Prozent. Entscheidend sei jedoch weniger das Ausmaß des Rücksetzers als dessen Einbettung: Eine geldpolitisch vorsichtigere US-Notenbank und das bereits abgeschlossene Ende der quantitativen Straffung könnten laut Lee dafür sorgen, dass sich die Märkte zum Jahresende wieder stabilisieren.
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Mehr InformationenBitcoin zwischen Deleveraging und Bewährungsprobe
Auch für Bitcoin bleibt Lee grundsätzlich konstruktiv. Ein neues Allzeithoch im laufenden Jahr hält er weiterhin für möglich, verzichtete zuletzt jedoch auf konkrete Kursmarken. Wichtiger als das absolute Niveau sei aus seiner Sicht das Signal an den Markt. Ein nachhaltiger Ausbruch nach oben würde anzeigen, dass der Kryptosektor die massiven Entschuldungsprozesse der vergangenen Monate hinter sich gelassen hat.
Diese sogenannten Deleveraging-Phasen hatten insbesondere nach dem starken Markteinbruch im Herbst erhebliche Spuren hinterlassen. Milliarden Dollar an gehebelten Positionen wurden liquidiert, Market Maker zogen sich teilweise zurück. Lee beschreibt diese Akteure als eine Art inoffizielle Zentralbank des Kryptomarkts – fällt ihre Liquidität weg, leidet die Marktstabilität spürbar. Solange Krypto strukturell stärker von Leverage als von breiter Nutzung getragen wird, bleiben solche Verwerfungen ein wiederkehrendes Risiko.
Rohstoffe als stiller Gegenspieler
Bemerkenswert ist zudem Lees Einschätzung für das Jahr 2026. Während er für Krypto und Aktien eine schwierige Phase erwartet, sieht er klassische Sektoren wie Energie, Basismaterialien und insbesondere Gold im Vorteil. Diese Sicht teilt auch Benjamin Cowen, der darauf verweist, dass Metalle bereits zuletzt besser abgeschnitten haben als digitale Assets. Allerdings warnt Cowen ebenfalls vor einer späteren Korrektur – mit potenziell noch stärkeren Ausschlägen auf der Kryptoseite.
In den kommenden Monaten dürften vor allem geldpolitische Signale aus den USA, geopolitische Entwicklungen und die Stabilität der Marktliquidität entscheidend werden. Für den Kryptomarkt stellt sich zunehmend die Frage, ob er kommende Stressphasen strukturell besser verkraften kann – oder ob die nächste Bewährungsprobe bereits Teil eines größeren Anpassungsprozesses ist.




