Die Einschätzungen führender Marktbeobachter zu Bitcoin fallen derzeit überwiegend langfristig optimistisch aus – kurzfristig bleibt das Bild jedoch gemischt. Während makroökonomische Liquiditätstrends und technische Langfristmodelle auf erhebliches Aufwärtspotenzial hindeuten, warnen einige Analysten weiterhin vor möglichen Rückschlägen und längeren Konsolidierungsphasen.
Langfristige Kursfantasie durch technische Modelle
Der bekannte Trader und technische Analyst Peter Brandt sieht in der aktuellen Marktstruktur eine potenziell bedeutende langfristige Chance. Grundlage seiner Einschätzung ist ein langfristiger logarithmischer Preiskanal, den er aufgrund seiner Form als „Banana“-Muster bezeichnet.
Historisch habe die untere Begrenzung dieses Kanals mehrfach die Tiefpunkte von Bärenmärkten zuverlässig markiert. Nach Brandts Modell liegt diese langfristige Unterstützungszone derzeit im Bereich von rund 42.000 Dollar. Sollte die Struktur des Kanals bestehen bleiben, hält er einen Anstieg auf über 250.000 Dollar bis Ende 2029 für möglich.
Während seine Bitcoin-Perspektive langfristig klar positiv ist, äußert sich Brandt zugleich ausgesprochen negativ über Ethereum.
Makrotreiber: Liquidität als entscheidender Faktor
Makroinvestor Raoul Pal sieht den wichtigsten Kurstreiber nicht in Marktstimmung oder Charttechnik, sondern in der globalen Liquidität. Seiner Einschätzung nach wird Bitcoin derzeit deutlich unter dem Niveau gehandelt, das den aktuellen Liquiditätsbedingungen entsprechen würde.
Historisch hätten sich solche Abweichungen selten langsam geschlossen. Stattdessen seien Preise häufig sprunghaft in neue Bewertungsbereiche übergegangen. Würde Bitcoin wieder im Einklang mit den bestehenden Liquiditätsverhältnissen handeln, läge der Kurs laut Pal eher bei etwa 140.000 Dollar.
Er erwartet, dass sich die Liquiditätsbedingungen insbesondere ab dem ersten Quartal 2026 weiter verbessern könnten. Mehrere makroökonomische Faktoren sprechen aus seiner Sicht dafür:
- mögliche Anpassungen von Bankenregulierungen, die eine höhere Aufnahme von Staatsanleihen ermöglichen,
- Veränderungen im US-Treasury-Konto, die Liquidität zurück in die Märkte spülen,
- ein tendenziell schwächerer US-Dollar,
- zusätzliche Liquidität aus China.
Hinzu kommen wachstumsfördernde wirtschaftliche Impulse wie staatliche Stimuli, Investitionsanreize sowie steigende Ausgaben für Energie- und Dateninfrastruktur. In Kombination könnten diese Faktoren eine Phase beschleunigter Preissteigerungen einleiten. Die finale Boomphase eines Kryptozyklus bezeichnet Pal als „Banana Zone“ – eine Phase nichtlinearer, schneller Neubewertung.
Technische Risiken bleiben bestehen
Trotz langfristig positiver Makroaussichten warnen einige Analysten vor charttechnischen Risiken. Der Analyst Rekt Capital sieht insbesondere den 200-Wochen-EMA als entscheidende Marke. Dieser gleitende Durchschnitt liegt derzeit im Bereich von etwa 68.300 Dollar.
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Mehr InformationenHistorisch folgten auf Wochenschlüsse unter diesem Niveau, kombiniert mit einem gescheiterten Rücklauf an die Marke, häufig starke Abwärtsbewegungen – unter anderem in den Jahren 2018 und 2022. Zwar konnte Bitcoin zuletzt über dieser Linie schließen, doch ohne klaren Aufwärtstrend bestehe weiterhin die Gefahr eines späteren Bruchs und zusätzlicher Verluste.
Kapitalrotation und Wettbewerb mit KI-Aktien
Makroökonomin Lyn Alden lenkt den Blick auf Kapitalflüsse zwischen Anlageklassen. Ihrer Einschätzung nach könnte Bitcoin insbesondere dann profitieren, wenn stark gestiegene KI-Aktien für Investoren zunehmend überbewertet erscheinen und Kapital in andere Anlageformen umgeschichtet wird.
Bitcoin konkurriere inzwischen stärker als früher mit Technologiewerten um Investorenkapital. Gleichzeitig betont Alden, dass vergleichsweise geringe neue Nachfrage ausreichen könne, um den Kurs deutlich zu bewegen, da viele Coins langfristig gehalten werden und nur begrenzt verfügbar sind.
Kurzfristig erwartet sie jedoch keine schnelle Trendwende nach oben. Typisch für Bitcoin seien längere Seitwärtsphasen nach einem Rückgang, bevor ein neuer Aufwärtstrend einsetzt. Weitere zwischenzeitliche Kursrückgänge schließt sie nicht aus.
Gesamtfazit
Die aktuelle Analystenlandschaft zeichnet ein differenziertes Bild:
- Langfristig überwiegt Optimismus, getragen von Liquiditätstrends und langfristigen Chartstrukturen.
- Mittelfristig bleibt die Entwicklung stark von makroökonomischen Faktoren abhängig, insbesondere von der globalen Geldmenge.
- Kurzfristig bestehen weiterhin technische Risiken und Konsolidierungstendenzen.
Insgesamt deutet vieles darauf hin, dass Bitcoin strukturell von expansiven Liquiditätsbedingungen profitieren könnte – der Weg dorthin dürfte jedoch von erhöhter Volatilität und möglichen Rücksetzern begleitet sein.




