Der Bitcoin-Markt sucht weiterhin nach einem Boden. Während Privatanleger ihre Bestände reduzieren und institutionelle Investoren bislang kaum neue Kaufbereitschaft zeigen, richtet sich der Blick zunehmend auf Strategy. Das Unternehmen von Michael Saylor galt zuletzt als potenzielle Schwachstelle des gesamten Marktes. Nun reagiert der Bitcoin-Treasury-Riese mit einem neuen Kapitalrahmen, der mehr finanzielle Flexibilität schaffen und das Vertrauen der Investoren stärken soll.
Bitcoin verharrt in der Warteschleife
Bitcoin notiert derzeit knapp oberhalb der Marke von 60.000 Dollar und befindet sich aus Sicht vieler Marktbeobachter an einem entscheidenden Wendepunkt. Die Stimmung bleibt angespannt: Der Crypto Fear & Greed Index signalisiert mit 36 Punkten weiterhin Angst, während gleichzeitig frisches Kapital ausbleibt.
Besonders deutlich zeigt sich die Zurückhaltung bei institutionellen Investoren. Allein im Juni flossen rund 4,4 Milliarden Dollar aus den US-Spot-Bitcoin-ETFs ab – der höchste monatliche Mittelabfluss des laufenden Jahres. Gleichzeitig gehen auch die Aktivitäten am Terminmarkt zurück. Das Open Interest der Bitcoin-Futures sank zuletzt leicht auf rund 19,9 Milliarden Dollar, während die Funding Rates deutlich nachgaben. Das spricht für einen geordneten Abbau von Hebelpositionen und nicht für eine panikartige Marktbereinigung.
Technisch bleibt die Lage angespannt. Fällt Bitcoin unter das jüngste Tagestief bei 58.800 Dollar, könnten Long-Positionen im Umfang von rund 500 Millionen Dollar liquidiert werden und zusätzlichen Verkaufsdruck bis in den Bereich von 56.000 Dollar auslösen. Für eine nachhaltige Erholung müsste Bitcoin dagegen zunächst die Marke von 62.000 Dollar zurückerobern.
Mike Novogratz sieht Strategy im Zentrum der Marktunsicherheit
Nach Einschätzung von Galaxy-Digital-CEO Mike Novogratz liegt die Ursache der aktuellen Schwächephase nicht allein in den makroökonomischen Rahmenbedingungen. In einem Podcast mit Anthony Scaramucci sprach der Milliardär von einer „MicroStrategy-led breakdown in confidence“.
Seiner Ansicht nach fokussiere sich der Markt zunehmend auf die Bilanz von Strategy. Das Unternehmen sitze auf rund 14 Milliarden Dollar nicht realisierten Buchverlusten. Dadurch sei eine Situation entstanden, in der Marktteilnehmer gezielt versuchen könnten, Bitcoin unter kritische Kursmarken zu drücken, um Strategy zusätzlich unter Druck zu setzen und von möglichen Liquidationen zu profitieren.
Hinzu kommen laut Novogratz mehrere makroökonomische Belastungsfaktoren. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh habe mit seinem restriktiven geldpolitischen Kurs Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen gedämpft. Gleichzeitig überraschte US-Finanzminister Scott Bessent mit einer ungewöhnlich deutlichen Unterstützung eines starken US-Dollars. Da ein fester Dollar historisch häufig Gegenwind für Bitcoin bedeutet, hätten sich beide Entwicklungen gegenseitig verstärkt.
Strategy reagiert mit neuem Kapitalrahmen
Vor diesem Hintergrund hat Strategy nun einen umfangreichen Umbau seiner Kapitalstrategie angekündigt. Erstmals erhält das Unternehmen die Möglichkeit, einen Teil seiner Bitcoin-Bestände aktiv zu monetarisieren.
Im Mittelpunkt steht ein neues Bitcoin-Monetization-Programm, das Verkäufe von Bitcoin im Umfang von bis zu 1,25 Milliarden Dollar ermöglicht. Die Erlöse sollen jedoch nicht für einen vollständigen Strategiewechsel genutzt werden, sondern dem Aufbau zusätzlicher Liquidität dienen. Finanziert werden können damit unter anderem Dividendenzahlungen, Zinskosten sowie Rückkäufe von Stamm- und Vorzugsaktien.
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Weitere InformationenParallel dazu erhöhte Strategy seine Dollar-Reserve von 1,4 auf 2,55 Milliarden Dollar. Nach Angaben des Unternehmens reicht dieser Liquiditätspuffer aus, um Dividenden- und Zinszahlungen für rund 17 Monate abzudecken. Gemeinsam mit dem möglichen Bitcoin-Verkaufsprogramm sieht Executive Chairman Michael Saylor sogar eine Absicherung von bis zu 26 Monaten.
Zusätzlich beschloss der Verwaltungsrat Aktienrückkäufe im Umfang von jeweils einer Milliarde Dollar für Stammaktien und verschiedene Vorzugsaktien. Die Dividende der STRC-Vorzugsaktie wird gleichzeitig von 11,5 auf 12 Prozent pro Jahr angehoben.
Bitcoin-Strategie bleibt grundsätzlich bestehen
Trotz der größeren finanziellen Flexibilität hält Strategy unverändert an seiner langfristigen Bitcoin-Strategie fest. Der Bestand liegt weiterhin bei 847.363 Bitcoin, die zu durchschnittlich 75.651 Dollar erworben wurden. Im Juni kaufte das Unternehmen netto weitere 3.625 Bitcoin hinzu. Lediglich ein symbolischer Verkauf von 32 Bitcoin hatte zuvor für Diskussionen gesorgt.
Auch der Kapitalaufbau läuft weiter. Allein in der vergangenen Woche nahm Strategy durch die Ausgabe neuer Aktien rund 1,15 Milliarden Dollar ein.
An der Börse wurden die Maßnahmen positiv aufgenommen. Die Aktie legte nach Bekanntgabe des neuen Kapitalrahmens um 12,6 Prozent zu und beendete damit eine Serie von acht Verlusttagen.
Analysten sehen Vertrauenssignal
Auch Analysten bewerten den Strategiewechsel überwiegend positiv. Benchmark Research bestätigte seine Kaufempfehlung und das Kursziel von 570 Dollar. Aus Sicht des Analystenhauses entwickelt sich Strategy von einem Unternehmen, das ausschließlich neues Kapital aufnimmt, hin zu einem aktiven Manager seiner gesamten Kapitalstruktur.
Besonders wichtig dürfte dabei sein, dass das genehmigte Bitcoin-Verkaufsprogramm im Verhältnis zum Gesamtbestand vergleichsweise klein ausfällt. Vor diesem Hintergrund dürfte der neue Kapitalrahmen vor allem als Sicherheitsnetz verstanden werden – und weniger als Abkehr von Michael Saylors langfristiger Überzeugung, dass Bitcoin weiterhin die zentrale Reserveanlage des Unternehmens bleibt.





