Der jüngste Rückgang des Bitcoin-Kurses ist nach Einschätzung von Coinbase-CEO Brian Armstrong vor allem auf psychologische Faktoren unter Investoren zurückzuführen und nicht auf fundamentale oder makroökonomische Entwicklungen. Auf dem World Liberty Forum in Florida erklärte Armstrong gegenüber CNBC, viele Marktteilnehmer würden derzeit Gewinne mitnehmen oder ihre Positionen auf Basis erwarteter Marktreaktionen anpassen. Solche Schwankungen seien im Kryptomarkt üblich, der aktuelle Rücksetzer dürfte daher nur vorübergehend sein.
Coinbase selbst nutze die niedrigeren Kurse nach Angaben Armstrongs für Aktienrückkäufe und zusätzliche Bitcoin-Käufe und verfolge damit eine langfristige Strategie. Ungeachtet kurzfristiger Rückgänge bleibe Bitcoin die bestperformende Anlageklasse der vergangenen Dekade.
Finanzbranche zwischen Anpassung und Widerstand
Armstrong sieht Coinbase zudem als Beispiel für das sogenannte „Innovator’s Dilemma“. Während ein Teil der traditionellen Finanzwelt die Bedeutung des Kryptosektors erkenne, bleibe ein anderer Teil skeptisch. Rund die Hälfte der großen Finanzinstitutionen arbeite bereits aktiv an der Integration von Kryptowährungen, und auch global systemrelevante Banken kooperierten zunehmend mit Coinbase. Gleichzeitig gebe es weiterhin Institute, die sich der Entwicklung widersetzten.
Die Transformation der Wall Street durch Krypto vergleicht Armstrong mit früheren technologischen Umbrüchen wie Uber, Airbnb, künstlicher Intelligenz oder SpaceX. Wer sich anpasse, könne profitieren – wer zu lange zögere, riskiere den Anschluss zu verlieren. Insgesamt sei die Branche heute stärker aufgestellt als je zuvor, auch wenn traditionelle Analysten den Wert von Coinbase aus seiner Sicht noch nicht vollständig erfassten.
Diskussion um Finanzkennzahlen
Mit Blick auf die Geschäftszahlen des Unternehmens betonte Armstrong, dass nach GAAP ausgewiesene Gewinne auch nicht realisierte Wertveränderungen von Krypto-Beständen enthalten. Daher seien bereinigte Gewinnkennzahlen für eine realistische Einschätzung wichtig. Trotz eines schwierigen Marktumfelds habe Coinbase im vergangenen Quartal profitabel gearbeitet – ein Umstand, der laut Armstrong in der Berichterstattung teilweise missverstanden worden sei.
On-Chain-Daten deuten auf möglichen Markt-Boden hin
Parallel zu diesen Einschätzungen liefern On-Chain-Analysen Hinweise auf ein mögliches zyklisches Tief beim Bitcoin-Preis. Daten zeigen, dass der Stress kurzfristiger Halter auf ein Niveau gefallen ist, das zuletzt am Ende des Bärenmarktes 2018 beobachtet wurde. Ein entsprechender Indikator signalisiert, dass Bitcoin deutlich unter den durchschnittlichen Einstiegspreisen jüngerer Käufer gehandelt wird – historisch ein Muster, das häufig mit langfristigen Marktböden zusammenfiel.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenVergleichbare Signale gingen in der Vergangenheit größeren Aufwärtsbewegungen voraus, darunter eine starke Rally nach dem Bärenmarkt 2018 sowie der Aufschwung nach dem Tiefpunkt im Jahr 2022. Zugleich bleiben realisierte Verluste großer kurzfristiger Investoren bislang moderat, was darauf hindeutet, dass bedeutende Marktteilnehmer noch nicht kapituliert haben. Einige Analysten sehen darin Anzeichen für nachlassenden Verkaufsdruck.
Möglicher Liquiditätsschub im Frühjahr
Auch von makroökonomischer Seite könnte kurzfristig Unterstützung kommen. Strategen von Wells Fargo erwarten, dass ungewöhnlich hohe US-Steuerrückerstattungen im Jahr 2026 zusätzliche Liquidität in die Märkte spülen könnten. Schätzungen zufolge könnten bis zu 150 Milliarden Dollar in Aktien und Kryptowährungen fließen. Ein solcher Kapitalzufluss könnte verbleibenden Verkaufsdruck absorbieren und die Bildung eines Markt-Bodens in den kommenden Wochen begünstigen.
Insgesamt deuten sowohl Marktstimmung als auch Datenlage darauf hin, dass der aktuelle Rückgang eher eine Konsolidierungsphase als eine strukturelle Trendwende darstellen könnte. Ob sich daraus tatsächlich eine neue Aufwärtsbewegung entwickelt, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen.





