Nach dem schwachen Juni verdichten sich am Bitcoin-Markt die Hinweise darauf, dass sich die Kryptowährung ihrem zyklischen Tief nähern könnte. Gleich mehrere vielbeachtete Indikatoren senden erstmals seit Jahren potenziell bullische Signale. Gleichzeitig mahnen Analysten zur Vorsicht: Das makroökonomische Umfeld bleibt angespannt, steigende Zinserwartungen und anhaltende Kapitalzuflüsse in den KI-Sektor könnten eine nachhaltige Erholung noch hinauszögern.
Erstmals seit 2022 erscheint ein wichtiges TD9-Signal
Für Aufmerksamkeit sorgt derzeit vor allem ein technischer Indikator auf Monatsbasis. Der Analyst Tony Severino verweist darauf, dass Bitcoin erstmals seit Juli 2022 ein sogenanntes „Perfected TD9 Buy Setup“ ausgebildet hat. Der Tom-DeMark-Sequential-Indikator dient dazu, potenzielle Trendwechsel frühzeitig zu erkennen.
Ein solches Signal gilt allerdings nicht als unmittelbare Kaufempfehlung. Vielmehr markiert es häufig Phasen, in denen ein Bärenmarkt in seine Endphase eintritt. Genau das war auch im Sommer 2022 der Fall. Damals dauerte es nach dem Signal allerdings noch rund fünf Monate, bis Bitcoin seinen endgültigen Tiefpunkt erreichte.
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Weitere InformationenAuch weitere Marktbeobachter sehen darin deshalb weniger den Startschuss für eine neue Rallye als vielmehr einen Hinweis darauf, dass sich Anleger langsam auf eine mögliche Trendwende einstellen sollten.
RSI-Divergenzen sprechen ebenfalls für eine Stabilisierung
Zusätzliche Unterstützung erhält dieses Szenario durch den Relative Strength Index (RSI). Mehrere Analysten beobachten derzeit ungewöhnlich viele bullische Divergenzen auf verschiedenen Zeitebenen. Solche Konstellationen entstehen, wenn der Kurs neue Tiefs markiert, der Momentum-Indikator jedoch bereits höhere Tiefs ausbildet – ein klassisches Warnsignal dafür, dass der Verkaufsdruck nachlässt.
Der bekannte Analyst Scott Melker bezeichnete die aktuelle Situation sogar als eine der stärksten Ansammlungen bullischer Divergenzen, die er bislang beobachtet habe. Historisch gingen vergleichbare Muster häufig einer größeren Trendwende voraus.
Historische Bodenindikatoren sind noch nicht vollständig erfüllt
Trotz der positiven technischen Signale sehen andere Analysten noch keinen endgültigen Boden. PlanB verweist darauf, dass Bitcoin den Juni zwar oberhalb seines sogenannten Realized Price von rund 52.000 Dollar beendet hat, gleichzeitig jedoch unter den 200-Wochen-Durchschnitt bei etwa 62.000 Dollar gefallen ist.
Gerade der Realized Price gilt als wichtiger On-Chain-Indikator. Er beschreibt den durchschnittlichen Einstandspreis aller im Umlauf befindlichen Bitcoin und fungierte in früheren Bärenmärkten häufig als finale Unterstützung. Nach Einschätzung von PlanB lagen sämtliche bisherigen Zyklustiefs unterhalb dieser Marke. Daraus leitet er ab, dass Bitcoin trotz seiner aktuellen Unterbewertung noch bis in den Bereich von rund 52.000 Dollar zurückfallen könnte.
Auch das Bitrue Research Institute kommt zu einer ähnlichen Einschätzung. Die Kombination aus einem Monatsschluss unter dem 200-Wochen-Durchschnitt, aber oberhalb des Realized Price, habe in früheren Marktzyklen häufig darauf hingedeutet, dass der eigentliche Kapitulationspunkt noch bevorsteht. Aufgrund der inzwischen deutlich stärkeren institutionellen Nachfrage könnte der aktuelle Bärenmarkt allerdings weniger tief ausfallen als frühere Zyklen.
Makroökonomischer Gegenwind bleibt bestehen
Während sich die technische Lage verbessert, bleibt das makroökonomische Umfeld eine Belastung. Bitcoin reagierte zwar zunächst positiv auf Aussagen von Fed-Chef Kevin Warsh zur hartnäckigen Inflation, doch die Anleihemärkte preisen inzwischen wieder deutlich höhere Zinsen ein.
Die Rendite fünfjähriger US-Staatsanleihen stieg zuletzt auf 4,22 Prozent. Gleichzeitig erhöhte sich laut CME FedWatch Tool die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen bis September innerhalb eines Monats von 23 auf 64 Prozent. Höhere Renditen machen festverzinsliche Anlagen attraktiver und erhöhen gleichzeitig den Druck auf unverzinste Anlageklassen wie Bitcoin oder Gold.
Zusätzlich sorgt die anhaltende Stärke des US-Dollars für Gegenwind. Der Dollarindex bewegt sich nahe seines höchsten Niveaus seit rund einem Jahr, während Gold innerhalb von zwei Monaten bereits rund zwölf Prozent an Wert verloren hat.
KI-Aktien ziehen weiterhin Kapital an
Ein weiterer Belastungsfaktor bleibt die hohe Attraktivität des Technologiesektors. Der Nasdaq-100 hat in diesem Umfeld rund 25 Prozent zugelegt, getragen vor allem vom KI-Boom. Zwar gerieten mit Micron und SanDisk zuletzt einzelne Halbleiterwerte nach Kapazitätsankündigungen von Samsung und SK Hynix deutlich unter Druck. Von einer generellen Schwäche des Sektors kann bislang jedoch keine Rede sein: Der Halbleiter-ETF SOXX liegt innerhalb von nur drei Monaten weiterhin rund 78 Prozent im Plus.
Sollte sich die Dynamik im KI-Sektor jedoch tatsächlich abschwächen, könnte dies nach Einschätzung einiger Analysten eine Kapitalrotation in alternative Anlageklassen wie Gold oder Bitcoin begünstigen.
ETF-Abflüsse bremsen jede Erholung
Hinzu kommt, dass die US-Spot-Bitcoin-ETFs weiterhin deutliche Mittelabflüsse verzeichnen. Nach Ansicht von Marktbeobachtern verstärken diese Verkäufe die negative Marktstimmung zusätzlich. Positive Nachrichten hätten derzeit kaum Einfluss auf den Kurs, während negative Entwicklungen überproportional stark eingepreist würden.
Vor diesem Hintergrund erscheint auch eine schnelle Rückkehr über die Marke von 65.000 Dollar vorerst unwahrscheinlich. Viele Analysten halten stattdessen einen weiteren Rücksetzer in den Bereich zwischen 55.000 und 52.000 Dollar für möglich, bevor der laufende Bärenmarkt seinen endgültigen Boden ausbildet.




