Der Bitcoin-Kurs könnte sich nach den turbulenten Wochen der vergangenen Monate zunehmend stabilisieren. Mehrere technische, fundamentale und On-Chain-Indikatoren deuten darauf hin, dass sich die größte Kryptowährung der Welt aktuell in einer Bodenbildungsphase befinden könnte. Gleichzeitig zeigt sich, dass der Verkaufsdruck institutioneller Anleger deutlich nachlässt und spekulative Übertreibungen im Futures-Markt abgebaut wurden.
Nachdem Bitcoin Anfang Juni ein neues Jahrestief bei rund 59.000 Dollar markiert hatte, gelang es dem Kurs inzwischen, drei Wochen in Folge oberhalb der Marke von 63.000 Dollar zu schließen. Für Marktbeobachter ist dies ein wichtiges Signal, da ähnliche Muster in der Vergangenheit häufig den Beginn einer neuen Aufwärtsbewegung markierten.
Technische Struktur erinnert an frühere Wendepunkte
Ein Blick auf den Wochenchart zeigt, dass Bitcoin aktuell ein Kursverhalten ausbildet, das bereits mehrfach seit dem Jahr 2023 zu beobachten war. Nach dem Erreichen eines lokalen Tiefpunkts bewegte sich der Kurs häufig über mehrere Wochen in einer Seitwärtsrange, bevor anschließend ein nachhaltiger Aufwärtstrend einsetzte.
Besonders interessant ist dabei die Entwicklung des Relative-Stärke-Index (RSI). Bereits Ende 2022 und Anfang 2023 hatte Bitcoin eine sogenannte bullische Divergenz ausgebildet. Damals markierte der Kurs ein tieferes Tief, während der RSI bereits ein höheres Tief ausbildete. Diese Konstellation gilt unter technischen Analysten als klassisches Signal für nachlassenden Verkaufsdruck und leitete damals die starke Erholung des Jahres 2023 ein.
Ein ähnliches Muster zeigt sich nun erneut. Während Bitcoin Anfang Juni auf rund 59.000 Dollar fiel, bildet der RSI inzwischen eine positive Divergenz aus. Gleichzeitig verteidigt der Markt die Unterstützung bei 63.000 Dollar bislang erfolgreich. Mehrere Wochenschlüsse oberhalb dieser Marke sprechen dafür, dass Käufer bereit sind, in diesem Bereich verstärkt Positionen aufzubauen.
Futures-Markt deutlich weniger überhitzt
Unterstützt wird dieses Bild durch die Entwicklung am Derivatemarkt. Dort hat sich die zuvor hohe Spekulation spürbar abgekühlt.
Die Funding Rates, die Aufschluss über die Positionierung von Futures-Händlern geben, sind seit Anfang Juni deutlich gefallen. Während Marktteilnehmer Anfang des Monats noch durchschnittlich rund 0,10 Prozent zahlten, um Long-Positionen aufrechtzuerhalten, liegt dieser Wert inzwischen nur noch bei etwa 0,02 Prozent.
Noch deutlicher wird die Entwicklung beim Open Interest. Laut Daten von CryptoQuant erreichte das gesamte Open Interest über alle Bitcoin-Börsen hinweg am 1. Juni noch rund 25,96 Milliarden Dollar. Bis zum 21. Juni sank dieser Wert auf 20,89 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Rückgang von 19,5 Prozent.
Bemerkenswert dabei: Im gleichen Zeitraum verlor Bitcoin lediglich rund 11,4 Prozent an Wert. Analysten interpretieren dies als Zeichen dafür, dass vor allem bestehende Hebelpositionen geschlossen oder liquidiert wurden. Hinweise auf einen massiven Aufbau neuer Short-Positionen gibt es dagegen bislang nicht.
Für den Markt bedeutet dies, dass ein erheblicher Teil der zuvor aufgebauten spekulativen Übertreibungen bereits abgebaut wurde. Historisch betrachtet schafft dies häufig die Grundlage für eine nachhaltigere Erholung.
ETF-Abflüsse verlieren deutlich an Dynamik
Auch auf institutioneller Ebene mehren sich die Anzeichen einer Entspannung.
Zwischen dem 15. Mai und dem 11. Juni verzeichneten die US-Spot-Bitcoin-ETFs noch Nettoabflüsse in Höhe von rund 5,5 Milliarden Dollar. Diese Verkaufswelle hatte erheblichen Druck auf den Bitcoin-Kurs ausgeübt und war einer der wichtigsten Belastungsfaktoren der vergangenen Wochen.
In den letzten beiden Wochen hat sich die Situation jedoch deutlich verändert. Die Nettoabflüsse summierten sich in diesem Zeitraum lediglich noch auf rund 540 Millionen Dollar.
Zwar fließt weiterhin Kapital aus den ETFs ab, die Dynamik der Verkäufe hat sich jedoch massiv verlangsamt. Dies könnte darauf hindeuten, dass viele institutionelle Anleger ihre Risikoanpassungen bereits vorgenommen haben und der zusätzliche Verkaufsdruck zunehmend nachlässt.
On-Chain-Daten zeigen zunehmende Akkumulation
Zusätzliche Unterstützung erhält das konstruktive Bild durch aktuelle On-Chain-Daten.
Der Bitcoin-Analyst Axel Adler Jr. verweist darauf, dass das sogenannte Long-Term Holder Realized Supply zuletzt auf 12,42 Millionen Bitcoin gestiegen ist. Dieser Indikator misst den Bestand von Coins, die sich in den Händen langfristig orientierter Anleger befinden.
Steigende Werte deuten darauf hin, dass Bitcoin zunehmend von kurzfristig orientierten Marktteilnehmern zu Investoren mit langfristigem Anlagehorizont übergeht. Dieser Prozess wird häufig als „Supply Maturation“ bezeichnet und gilt historisch als Merkmal später Korrekturphasen.
Gleichzeitig bleibt ein weiterer wichtiger Indikator bemerkenswert ruhig. Adlers Verkaufsdruck-Metrik wurde seit mittlerweile 1.256 Tagen nicht mehr aktiviert. Damit befindet sich der Markt in der längsten Phase ohne signifikanten strukturellen Verkaufsdruck seit Beginn der Datenerfassung.
Strategy kauft weiter Bitcoin und stärkt gleichzeitig die Liquiditätsreserve
Während viele Anleger noch über die weitere Kursentwicklung spekulieren, bleibt auch der weltweit größte börsennotierte Bitcoin-Halter aktiv.
Das von Michael Saylor geführte Unternehmen Strategy gab bekannt, zwischen dem 15. und 21. Juni weitere 520 Bitcoin erworben zu haben. Der Kaufpreis lag bei rund 34,9 Millionen Dollar, was einem durchschnittlichen Einstiegskurs von 67.068 Dollar pro Bitcoin entspricht.
Damit erhöht sich der Gesamtbestand des Unternehmens auf 847.363 Bitcoin. Insgesamt investierte Strategy bislang rund 64,1 Milliarden Dollar in Bitcoin und weist einen durchschnittlichen Einstandspreis von 75.651 Dollar je Bitcoin aus.
Bemerkenswert ist jedoch, dass das Unternehmen derzeit nicht ausschließlich auf weitere Bitcoin-Käufe setzt. Parallel dazu erhöhte Strategy seine Dollar-Reserve um 300 Millionen Dollar auf insgesamt 1,4 Milliarden Dollar.
Finanziert wurde dies über das laufende ATM-Aktienprogramm, über das das Unternehmen im Berichtszeitraum insgesamt 335,5 Millionen Dollar einsammelte. Während 34,9 Millionen Dollar direkt in Bitcoin flossen, wurden die übrigen Mittel zur Stärkung der Liquiditätsposition verwendet.
Nach Angaben des Unternehmens soll die Reserve dazu dienen, Dividendenzahlungen sowie Verpflichtungen aus den sogenannten Digital-Credit-Produkten abzusichern.
Markt blickt weiter auf STRC
Besonders aufmerksam verfolgen Investoren derzeit die Entwicklung der Vorzugsaktie STRC. Das Wertpapier, das ursprünglich darauf ausgelegt wurde, nahe seinem Referenzwert von 100 Dollar zu handeln, war zuletzt unter die Marke von 90 Dollar gefallen.
Zum Wochenschluss notierte STRC bei 88,59 Dollar. Die Stammaktie MSTR verlor gleichzeitig 3,46 Prozent und schloss bei 112,53 Dollar.
Der bekannte Bitcoin-Befürworter Samson Mow sieht dennoch keinen Grund zur Sorge. Nach seiner Einschätzung verfügt STRC über einen eingebauten Stabilitätsmechanismus. Sobald die Aktie deutlich unter den Referenzwert von 100 Dollar fällt, stellt Strategy die Ausgabe neuer Anteile über das ATM-Programm ein. Gleichzeitig steigt die effektive Rendite für neue Käufer, was zusätzliche Nachfrage erzeugen und den Kurs langfristig wieder in Richtung des Zielwerts bewegen könnte.
Fazit
Die aktuelle Datenlage zeichnet ein zunehmend konstruktives Bild für Bitcoin. Technische Indikatoren deuten auf eine mögliche Bodenbildung hin, während sich die Situation am Futures-Markt und bei den Spot-ETFs deutlich entspannt hat. Gleichzeitig zeigen On-Chain-Daten, dass langfristige Investoren weiterhin Bitcoin akkumulieren.
Ob dies bereits den Beginn einer neuen Aufwärtsphase markiert, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass mehrere wichtige Belastungsfaktoren der vergangenen Monate aktuell deutlich an Bedeutung verlieren. Für viele Marktbeobachter könnte dies ein erstes Signal dafür sein, dass Bitcoin sich dem Ende seiner Korrekturphase nähert.





