Die Hoffnungen auf eine baldige geldpolitische Lockerung in den USA haben am Mittwoch einen Dämpfer erhalten. Zwar beließ die US-Notenbank die Leitzinsen wie erwartet unverändert, doch die ersten Projektionen unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh fielen deutlich restriktiver aus als viele Anleger erhofft hatten. Bitcoin und der breite Kryptomarkt reagierten mit Kursverlusten, während gleichzeitig Zweifel an der Stärke der institutionellen Nachfrage zunehmen.
Fed signalisiert längere Phase hoher Zinsen
Die eigentliche Überraschung lag nicht im Zinsentscheid selbst. Die Federal Reserve beließ den Leitzins einstimmig in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent. Diese Entscheidung war von den Märkten weitgehend erwartet worden.
Für Unruhe sorgten stattdessen die neuen Wirtschaftsprognosen der Notenbank. Die Währungshüter hoben ihre Inflationserwartungen an und signalisierten gleichzeitig einen langsameren Pfad zukünftiger Zinssenkungen als noch in den Projektionen vom März.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Sitzung, da es sich um den ersten geldpolitischen Entscheid unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh handelte. Beobachter stellten sofort Unterschiede zu seinem Vorgänger Jerome Powell fest. Die Erklärung der Notenbank fiel deutlich kürzer aus, zudem verzichtete Warsh vollständig auf die unter Powell übliche Forward Guidance. Statt die Märkte aktiv auf zukünftige Entscheidungen vorzubereiten, wolle die Fed künftig stärker „die Fakten präsentieren“, erklärte der neue Notenbankchef.
Für Anleger bedeutet dies vor allem eines: Die Unsicherheit über den weiteren Zinskurs der Fed nimmt zu.
ETF-Abflüsse belasten die Stimmung zusätzlich
Neben dem schwieriger werdenden Makroumfeld leidet Bitcoin derzeit unter einer auffälligen Schwäche bei der institutionellen Nachfrage.
Die in den USA zugelassenen Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten allein im Juni bislang Nettoabflüsse von rund 2,1 Milliarden Dollar. Gleichzeitig handelt Bitcoin auf der US-Börse Coinbase seit inzwischen fünf Wochen mit einem Abschlag gegenüber internationalen Handelsplätzen, auf denen überwiegend in Stablecoins gehandelt wird.
Dieser sogenannte Coinbase-Discount gilt unter Marktbeobachtern als Hinweis auf eine schwache Nachfrage amerikanischer Institutionen. Während der Nasdaq-100 nur rund zwei Prozent unter seinem Allzeithoch notiert, gelang es Bitcoin zuletzt nicht mehr, sich nachhaltig über der Marke von 80.000 Dollar zu etablieren.
Die Entwicklung nährt Zweifel daran, ob die institutionelle Kaufseite derzeit stark genug ist, um eine neue Aufwärtsbewegung zu tragen.
US-Iran-Abkommen bleibt Unsicherheitsfaktor
Zusätzliche Unsicherheit kommt von der geopolitischen Seite. Zwar sollen die USA und Iran in den kommenden Tagen ein Memorandum unterzeichnen, das eine 60-tägige Verhandlungsphase einleitet, doch die Märkte bleiben vorsichtig.
US-Präsident Donald Trump erklärte zwar, das Abkommen sollte die Märkte beruhigen und zu niedrigeren Ölpreisen beitragen. Gleichzeitig drohte er jedoch mit weiteren Militärschlägen, falls sich Iran nicht an die Vereinbarungen halte.
Anleger befürchten daher weiterhin Störungen der Öltransporte durch die Straße von Hormus. Höhere Energiepreise könnten den Inflationsdruck erneut anheizen und die Fed dazu zwingen, ihre restriktive Geldpolitik länger aufrechtzuerhalten.
Zwar fiel der Brent-Ölpreis zuletzt auf den niedrigsten Stand seit rund 100 Tagen, doch viele Marktteilnehmer zweifeln daran, dass der Rückgang nachhaltig sein wird.
Strategy rückt erneut in den Fokus
Auch die Finanzierungsstruktur von Strategy sorgt weiterhin für Diskussionen. Im Mittelpunkt steht dabei die Vorzugsaktie STRC, die derzeit eine Rendite von 11,5 Prozent bietet.
Da neue STRC-Aktien nur zu einem festen Preis von 100 Dollar ausgegeben werden können, wächst bei einigen Investoren die Sorge, dass die Finanzierung der hohen Dividendenzahlungen langfristig schwieriger werden könnte. Strategy muss monatlich rund 142 Millionen Dollar an Ausschüttungen leisten. Den Dividendenverpflichtungen stehen aktuell rund 1,1 Milliarden Dollar an Barreserven gegenüber.
Marktbeobachter betonen zwar, dass derzeit keinerlei Hinweise auf einen möglichen Verkauf der Bitcoin-Bestände bestehen. Die Schwäche der STRC-Aktie wird jedoch als Zeichen dafür gewertet, dass Investoren die Verschuldungs- und Finanzierungsstruktur des Unternehmens zunehmend kritischer betrachten.
Bitcoin zwischen Makro-Gegenwind und geopolitischer Hoffnung
Damit befindet sich Bitcoin aktuell in einem schwierigen Spannungsfeld. Auf der einen Seite sorgen die restriktiveren Signale der Fed, ETF-Abflüsse und eine schwache institutionelle Nachfrage für Gegenwind. Auf der anderen Seite könnte ein erfolgreicher Abschluss der Verhandlungen zwischen den USA und Iran den Inflationsdruck reduzieren und den Märkten neue Zuversicht verleihen.
Ob Bitcoin kurzfristig wieder den Weg in Richtung 80.000 Dollar einschlagen kann, dürfte daher maßgeblich davon abhängen, ob sich die institutionellen Kapitalströme stabilisieren und die geopolitischen Risiken tatsächlich weiter zurückgehen. Derzeit überwiegt an den Märkten jedoch noch die Vorsicht.




