Der Bitcoin-Markt ringt Anfang 2026 erneut um Orientierung. Nach dem Rückgang vom Zyklushoch oberhalb von 120.000 Dollar und anhaltender Schwäche im Bereich um 70.000 Dollar rücken nun ältere, lange übersehene Analysen wieder in den Fokus. Besonders eine Prognose aus dem Frühjahr 2025 sorgt aktuell für Diskussionen, weil sie den bisherigen Kursverlauf erstaunlich präzise vorgezeichnet hatte – und für die kommenden Monate weiteren Stress signalisiert.
Alte Analyse, neue Brisanz
Auslöser der Debatte ist eine Chart-Analyse des Krypto-Analysten KillaXBT, die dieser bereits im Mai 2025 veröffentlicht hatte. Damals nahm kaum jemand Notiz davon. Inzwischen jedoch zeigt sich, dass das Modell nicht nur das Überschreiten der Marke von 100.000 Dollar korrekt antizipierte, sondern auch den anschließenden strukturellen Bruch. Entscheidend ist weniger das konkrete Kursniveau als die dahinterliegende Marktlogik: KillaXBT argumentiert mit sogenannten rotierenden Marktbewegungen, bei denen sich Auf- und Abwärtsphasen zunehmend abschwächen, bis die innere Liquiditätsdynamik erschöpft ist.
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Mehr InformationenGenau diesen Punkt sieht der Analyst am damaligen Hoch erreicht. Seit dem Rückfall unter die sechsstellige Marke interpretiert er die Marktphase nicht als gesunde Korrektur, sondern als Übergang in eine längere Abwärtsstruktur. Die jüngsten Erholungsbewegungen rund um 70.000 Dollar wertet er als typische Verteilungsphase, in der größere Marktteilnehmer Liquidität nutzen, um Positionen abzubauen. Aus seiner Sicht fehlt bislang ein belastbarer makroökonomischer Boden, der einen nachhaltigen Stimmungswechsel rechtfertigen würde.
Kaiko: Kein Bruch, sondern Lehrbuch-Zyklus
Parallel dazu ordnet das Marktforschungsunternehmen Kaiko Research die Entwicklung deutlich nüchterner ein. In einer aktuellen Auswertung kommt Kaiko zu dem Schluss, dass der Rückgang von rund 50 Prozent seit dem Hoch kein Warnsignal für einen Systembruch sei, sondern exakt dem historischen Muster des vierjährigen Bitcoin-Halving-Zyklus entspreche. Nach früheren Zyklen folgten auf die jeweiligen Höchststände regelmäßig längere Bärenmärkte mit teils noch stärkeren Rücksetzern, bevor eine neue Akkumulationsphase begann.
Zwar habe sich der Markt seit 2024 strukturell verändert – unter anderem durch Spot-Bitcoin-ETFs, größere institutionelle Beteiligung und mehr regulatorische Klarheit. Diese Faktoren hätten jedoch vor allem die Liquidität erhöht, nicht aber die Zyklik außer Kraft gesetzt. Die jüngsten ETF-Abflüsse zeigen laut Kaiko vielmehr, dass institutioneller Zugang Verluste ebenso beschleunigen kann wie zuvor die Rally. Auch die sinkende Hebelwirkung an den Terminmärkten und das fast neutrale Finanzierungsniveau sprechen eher für einen laufenden Bereinigungsprozess als für eine Trendwende.
Redaktionelle Einordnung
Aus Sicht von Decentralist liegt die eigentliche Bedeutung der aktuellen Diskussion weniger in der Frage, ob Bitcoin 50.000 Dollar erreicht oder nicht. Entscheidender ist, dass sich technische Warnsignale und zyklische Modelle derzeit gegenseitig bestätigen, statt sich zu widersprechen. Der Markt scheint den strukturellen Charakter der Korrektur weiterhin zu unterschätzen und klammert sich an die Hoffnung, dass neue Marktteilnehmer oder regulatorische Fortschritte den Zyklus verkürzen könnten. Gleichzeitig zeigt die Geschichte, dass genau diese Erwartungshaltung in früheren Phasen regelmäßig enttäuscht wurde.
Auffällig ist zudem, wie stark sich das Narrativ seit dem Hoch verschoben hat. Noch im Herbst 2025 wurde offen darüber spekuliert, ob der klassische Vierjahreszyklus obsolet sei – unter anderem von Marktteilnehmern wie Arthur Hayes, die globale Liquidität als dominierenden Faktor sehen. Die aktuelle Preisstruktur zwingt nun viele dieser Stimmen zu einer Neubewertung.
Ausblick
In den kommenden Monaten dürfte sich der Fokus auf zwei Fragen richten: Erstens, ob sich im aktuellen Preisbereich tatsächlich eine tragfähige Basis bildet oder ob weitere Bereinigungswellen folgen. Zweitens, wie stark makroökonomische Faktoren wie Geldpolitik und Risikoneigung die nächste Phase prägen. Für Marktteilnehmer bleibt entscheidend, weniger auf kurzfristige Erholungen zu reagieren, sondern auf strukturelle Signale, die anzeigen, ob der Markt die Korrekturphase tatsächlich hinter sich lässt.




