Bitcoin am Wendepunkt: Cathie Wood sieht den Boden – doch diese Signale warnen weiter

Selective Focus of a Bitcoin on Laptop Computer

Bitcoin zeigt nach den heftigen Verlusten der vergangenen Monate erste Anzeichen einer Stabilisierung. Während sich die größte Kryptowährung zuletzt sogar besser als Gold entwickelte, mehren sich unter prominenten Investoren die Stimmen, die den Tiefpunkt des aktuellen Abschwungs bereits für erreicht halten. Allen voran ARK-Invest-Chefin Cathie Wood sieht Bitcoin vor der Rückkehr in den langfristigen Aufwärtstrend. Doch die Marktstruktur zeichnet ein deutlich komplizierteres Bild: Der Market Maker Wintermute warnt vor einer späten Phase des Bärenmarktes, die Altcoin-Liquidität trocknet aus und Bitcoin bleibt eng an die Entwicklung der US-Technologieaktien gekoppelt.

Cathie Wood: Bitcoin hat den Boden erreicht

Für Cathie Wood ist die entscheidende Phase der Bodenbildung offenbar bereits abgeschlossen. Im „In The Know“-Podcast von ARK Invest erklärte die Starinvestorin, Bitcoin befinde sich auf Basis der aktuellen Marktdaten am Ende eines Bodenbildungsprozesses und dürfte anschließend seinen langfristigen, wenn auch weiterhin stark volatilen Aufwärtstrend fortsetzen.

Eine wichtige Grundlage für Woods Einschätzung ist das Verhältnis zwischen Bitcoin und Gold. Die sogenannte Bitcoin-Gold-Ratio hält nach ihrer Analyse derzeit einen wichtigen Boden, während der Goldpreis zuletzt unter Druck geraten ist. Das Verhältnis liegt aktuell bei rund 15 und damit auf einem Niveau, das zuletzt Mitte 2023 nach einer vorherigen Bodenbildung zu beobachten war.

Auch die jüngste Entwicklung der beiden Anlageklassen unterstreicht die zunehmende Divergenz. Während Bitcoin auf Sicht von 30 Tagen rund 3,7 Prozent zulegen konnte, verlor Gold im gleichen Zeitraum etwa vier Prozent an Wert.

Das ist insofern bemerkenswert, als Wood Gold und Bitcoin seit Jahren als miteinander verbundene monetäre Assets betrachtet. In der Vergangenheit hatte die ARK-Chefin mehrfach darauf hingewiesen, dass Gold häufig vor Bitcoin steigt und damit eine spätere Rally der Kryptowährung ankündigen kann.

An ihrer langfristigen Prognose hält Wood trotz der massiven Kursverluste vom vorherigen Allzeithoch fest. Ihr Basisszenario sieht für Bitcoin weiterhin einen Kurs von 730.000 Dollar bis zum Jahr 2030 vor. Zuletzt bezeichnete sie die Kryptowährung zudem als eine Art „Vermögensversicherung“, die Anlegern eine Absicherung bieten könne, die klassische Investments in das KI-Wachstum nicht leisten.

Dass ARK Invest diese Einschätzung nicht nur kommunikativ vertritt, zeigen die jüngsten Transaktionen des Unternehmens. Ende Juni kaufte die Investmentgesellschaft Aktien mehrerer großer Krypto-Unternehmen, darunter Coinbase, Robinhood und Bullish.

Wintermute warnt vor später Phase des Bärenmarktes

Deutlich vorsichtiger beurteilt der Market Maker Wintermute die aktuelle Situation. In einem jüngsten Marktbericht argumentiert das Unternehmen, dass es sich beim aktuellen Abschwung möglicherweise nicht um eine gewöhnliche Korrektur innerhalb eines übergeordneten Bullenmarktes handelt.

Stattdessen ähnele die aktuelle Marktstruktur zunehmend einer späten Phase eines Bärenmarktes. Sinkende Handelsvolumina, eine nachlassende Liquidität und Veränderungen bei den Korrelationen zwischen verschiedenen Anlageklassen könnten demnach auf einen länger dauernden Bereinigungsprozess hindeuten.

Diese Einschätzung muss allerdings nicht zwangsläufig im Widerspruch zu Woods Bodenbildungsthese stehen. Späte Bärenmarktphasen sind häufig dadurch gekennzeichnet, dass sich langfristig orientierte Investoren bereits positionieren, während die allgemeine Marktstimmung schwach bleibt und spekulatives Kapital den Markt weiter verlässt.

Genau dieses Muster lässt sich derzeit auch bei Bitcoin beobachten.

Wale kaufen, während Privatanleger verkaufen

On-Chain-Daten zeigen eine zunehmende Akkumulation durch große Bitcoin-Wallets, während Privatanleger angesichts der Kursverluste ihre Positionen reduzieren. Historisch waren vergleichbare Divergenzen zwischen großen und kleinen Marktteilnehmern mehrfach vor späteren Erholungsphasen zu beobachten.

Wintermute warnt allerdings davor, daraus eine unmittelbar bevorstehende Trendwende abzuleiten. Institutionelle Investoren und große Bitcoin-Halter verfügen über längere Anlagehorizonte und können bereits Monate vor einem endgültigen Marktboden mit dem Aufbau neuer Positionen beginnen.

Die aktuelle Akkumulation könnte deshalb zwar ein langfristig positives Signal darstellen, schließt weitere Kursverluste oder eine mehrmonatige Seitwärtsbewegung jedoch nicht aus.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt Cantor Fitzgerald. Das Finanzunternehmen geht davon aus, dass der aktuelle Bitcoin-Bärenmarkt seinen endgültigen Tiefpunkt möglicherweise erst Ende Oktober erreichen könnte.

Damit kristallisieren sich derzeit zwei unterschiedliche Interpretationen der Marktlage heraus: Entweder hat Bitcoin seinen Boden bereits erreicht, wie Cathie Wood vermutet, oder die Kryptowährung befindet sich erst in der finalen und möglicherweise langwierigen Phase des aktuellen Bärenmarktes.

KI-Korrektur wird zum Problem für Bitcoin

Ein zentraler Belastungsfaktor ist laut Wintermute die zunehmende Verbindung zwischen dem Krypto- und dem KI-Sektor. Während der vorherigen Rally profitierten Kryptowährungen teilweise von denselben spekulativen Kapitalströmen, die auch Nvidia und andere Technologieaktien auf immer neue Höchststände getrieben hatten.

Besonders deutlich zeigte sich dieser Effekt bei KI-Token und Blockchain-Projekten, die sich dem Artificial-Intelligence-Narrativ zuordnen ließen.

Das Problem: Ein erheblicher Teil dieses Kapitals war offenbar nicht langfristig im Kryptomarkt gebunden. Vielmehr handelte es sich um Momentum-Investoren, die gleichzeitig auf verschiedene Wachstums- und Technologietrends setzten.

Mit der zunehmenden Korrektur bei KI-Aktien begann dieses Kapital deshalb auch den Kryptomarkt wieder zu verlassen. Wintermute geht davon aus, dass dieser Bereinigungsprozess noch nicht vollständig abgeschlossen ist.

Bitcoin handelt weiter wie eine Tech-Aktie

Besonders problematisch ist in diesem Zusammenhang die weiterhin hohe Korrelation zwischen Bitcoin und dem Nasdaq. Die Kryptowährung wird aktuell weniger wie ein unabhängiger Wertspeicher und stärker wie ein spekulatives High-Beta-Wachstumsinvestment gehandelt.

Das erhöht die Abhängigkeit von der weiteren Entwicklung des US-Technologiesektors erheblich.

Sollte die Neubewertung des KI-Sektors weitere Kursverluste beim Nasdaq auslösen, könnte auch Bitcoin erneut unter Druck geraten. Statt von einer Flucht in sichere Anlagen zu profitieren, wäre die Kryptowährung möglicherweise Teil desselben Deleveraging-Prozesses wie Technologieaktien.

Für eine nachhaltige Trendwende müsste Bitcoin deshalb nicht nur wichtige charttechnische Unterstützungen verteidigen. Entscheidend wäre auch eine zunehmende Abkopplung von der Entwicklung der US-Technologieaktien.

Altcoin-Liquidität sendet Warnsignal

Noch deutlicher zeigt sich die angespannte Marktstruktur bei den Altcoins. Wintermute beobachtet einen anhaltenden Rückgang der Handelsvolumina und eine zunehmende Austrocknung der Liquidität.

Vergleichbare Entwicklungen waren bereits in früheren Bärenmarktphasen zu beobachten. Wenn Kapital aus kleineren Kryptowährungen abfließt, werden Market Maker vorsichtiger, die Spreads steigen und die Orderbücher verlieren an Tiefe. Dadurch entsteht eine negative Rückkopplung zwischen sinkenden Kursen und fallenden Handelsvolumina.

Selbst im Fall einer Erholung dürfte diese deshalb zunächst stark von Bitcoin dominiert werden. Viele kleinere Kryptowährungen könnten dagegen weiter unter Druck stehen oder über einen längeren Zeitraum auf niedrigen Kursniveaus verharren.

Die Erweiterung der Watchlist von Grayscale deutet allerdings darauf hin, dass das Kapital den Kryptosektor nicht vollständig verlässt. Stattdessen könnte eine zunehmende Rotation innerhalb des Marktes stattfinden, bei der Investoren schwache Segmente verkaufen und Kapital gezielt in neue Narrative und ausgewählte Projekte umschichten.

CLARITY Act könnte neuen Impuls liefern

Neben der Entwicklung an den Finanzmärkten rückt in den kommenden Wochen auch die US-Regulierung wieder stärker in den Fokus. Der CLARITY Act hat Mitte Mai mit 15 zu 9 Stimmen den Senate Banking Committee passiert. Neben allen republikanischen Ausschussmitgliedern unterstützten auch zwei Demokraten den Gesetzentwurf.

Das Gesetz soll erstmals einen umfassenden bundesweiten Regulierungsrahmen für den US-Kryptomarkt schaffen. Nachdem der Entwurf Anfang Juni in den Senate Legislative Calendar aufgenommen wurde, wartet die Branche nun auf die nächsten Schritte.

Die ursprünglich erhoffte Abstimmung vor der Sitzungspause rund um den 4. Juli kam nicht zustande. Der Senat kehrt am 13. Juli nach Washington zurück. Damit verbleibt nur ein begrenztes Zeitfenster vor der längeren Sommerpause im August.

Die größte Hürde bleibt die notwendige Mehrheit von 60 Stimmen. Da die Republikaner über 53 Sitze verfügen, müssen mindestens sieben Demokraten den CLARITY Act unterstützen.

Selbst nach einer erfolgreichen Abstimmung wären weitere Verhandlungen notwendig. Die Senatsversion müsste mit einem separaten Entwurf des Senate Agriculture Committee und der bereits vom Repräsentantenhaus verabschiedeten Fassung zusammengeführt werden.

Eine Verabschiedung könnte dennoch einen wichtigen Impuls für den angeschlagenen Kryptomarkt liefern. Klare regulatorische Rahmenbedingungen gelten seit Jahren als eine zentrale Voraussetzung für eine stärkere Beteiligung institutioneller Investoren am US-Kryptosektor.

Hat Bitcoin seinen Boden bereits erreicht?

Die aktuelle Marktlage liefert damit Argumente für Bullen und Bären gleichermaßen. Cathie Wood sieht den Tiefpunkt bereits als erreicht und setzt auf eine Fortsetzung des langfristigen Bitcoin-Aufwärtstrends. Auch die Akkumulation großer Investoren und die relative Stärke gegenüber Gold sprechen dafür, dass sich unter der Oberfläche erste Veränderungen vollziehen.

Gleichzeitig zeigen die sinkende Altcoin-Liquidität, die hohe Nasdaq-Korrelation und der Abzug spekulativen Kapitals aus dem KI- und Kryptosektor, dass die strukturellen Risiken noch längst nicht verschwunden sind.

Entscheidend für die kommenden Monate dürfte deshalb sein, ob Bitcoin seine relative Stärke ausbauen und sich zunehmend von den US-Technologieaktien abkoppeln kann. Gelingt das, könnte sich Cathie Woods Bodenbildungsthese bestätigen. Bleibt die Kryptowährung dagegen Teil des globalen Deleveraging-Prozesses bei Risikoanlagen, könnte sich die finale Phase des Bärenmarktes deutlich länger hinziehen – und der endgültige Tiefpunkt tatsächlich erst im Herbst erreicht werden.

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Disclaimer auf Deutsch: Der Krypto-Sektor jenseits von Bitcoin ist ein verdammtes Casino. Einzelne Coins können zwar komplett durch die Decke gehen, das Risiko eines Totalverlustes ist jedoch auch an der Tagesordnung. Altcoins haben in den meisten Fällen nichts mit Investments zu tun, sondern sind viel mehr reine Spekulation. Wenn ihr am Casino-Tisch Platz nehmt, dann macht ihr das auf eigene Gefahr. Ich zeige hier, wie ich im Krypto-Sektor unterwegs bin und welche Strategien ich benutze, weil ich das Thema liebe und gerne darüber spreche. Ihr könnt mit den Informationen machen, was ihr wollt, ihr seid erwachsen – eine Empfehlung von meiner Seite ist es definitiv nicht. Ich empfehle gar nichts, jeder Mensch sollte eigene, auf ausführlicher Recherche, gesundem Menschenverstand und individueller Risikoabwägung basierende Entscheidungen darüber treffen, was man mit seinem eigenen Geld machen möchte.