Die Tokenisierung von Vermögenswerten entwickelt sich zunehmend zu einem der wichtigsten Wachstumstreiber der Krypto-Branche. Nun sorgt eine neue Prognose der britischen Großbank Standard Chartered für Aufmerksamkeit. Die Analysten sehen im DeFi-Protokoll Uniswap einen der größten Profiteure dieses Trends und halten einen Kursanstieg des UNI-Tokens auf 100 Dollar bis zum Jahr 2030 für möglich.
Der Hintergrund der optimistischen Einschätzung ist die erwartete Verlagerung traditioneller Finanzwerte auf Blockchain-Netzwerke. Laut Geoffrey Kendrick, Leiter der Digital-Asset-Research-Abteilung von Standard Chartered, könnten tokenisierte Vermögenswerte bis Ende 2028 auf ein Gesamtvolumen von rund 4 Billionen Dollar anwachsen. Derzeit liegt dieser Wert nach Schätzungen der Bank bei rund 340 Milliarden Dollar.
Noch wichtiger als das Wachstum der tokenisierten Vermögenswerte selbst ist aus Sicht der Analysten deren Nutzung innerhalb des DeFi-Sektors. Während heute lediglich rund 3,5 Prozent dieser Assets in dezentralen Finanzanwendungen eingesetzt werden, erwartet Standard Chartered bis 2030 einen Anstieg auf etwa 30 Prozent. Dadurch könnte das in DeFi-Protokollen gebundene Kapital auf rund 2,7 Billionen Dollar anwachsen. Das entspräche einem Wachstum um das 37-Fache gegenüber dem heutigen Niveau.
Warum Uniswap besonders profitieren könnte
Genau hier sieht die Bank die große Chance für Uniswap. Das Protokoll zählt seit Jahren zu den wichtigsten dezentralen Handelsplattformen im Ethereum-Ökosystem und ermöglicht den automatisierten Handel von Kryptowährungen sowie zunehmend auch tokenisierten Vermögenswerten.
Nach Ansicht von Standard Chartered könnte die steigende Zahl tokenisierter Finanzprodukte direkt zu mehr Liquidität und Handelsvolumen auf Uniswap führen. Besonders bei Vermögenswerten mit ähnlichen Preisbewegungen, etwa tokenisierten Aktien oder Fondsanteilen, sehen die Analysten strukturelle Vorteile für dezentrale Liquiditätspools.
Die Bank argumentiert, dass traditionelle Finanzunternehmen zwar eigene Handelslösungen entwickeln könnten, dezentrale Handelsplätze wie Uniswap jedoch bereits über die notwendige Infrastruktur, Liquidität und Nutzerbasis verfügen, um von diesem Trend überproportional zu profitieren.
Tokenisierte Aktien kommen auf die Blockchain
Die Entwicklung gewinnt bereits an Dynamik. Erst kürzlich wurden tokenisierte Versionen mehrerer bekannter Aktien auf Uniswap handelbar gemacht. Dazu zählen unter anderem Anteile von SpaceX, Apple und Tesla.
Nach Angaben aus dem Markt wurden in entsprechenden Pools für Real-World-Assets bereits mehr als 9,1 Milliarden Dollar Handelsvolumen über mehr als 2,6 Millionen Transaktionen abgewickelt. Für viele Beobachter gilt dies als frühes Signal dafür, dass die Tokenisierung zunehmend den Sprung aus der Nische schafft.
Institutionelle Investoren entdecken DeFi
Auch auf institutioneller Ebene gibt es Hinweise auf eine zunehmende Annäherung zwischen klassischer Finanzwelt und dezentralen Finanzprotokollen. So wurde der tokenisierte Geldmarktfonds BUIDL des Vermögensverwalters BlackRock Anfang des Jahres über UniswapX handelbar gemacht.
Darüber hinaus hat sich BlackRock strategisch am Uniswap-Ökosystem beteiligt. Für Standard Chartered ist dies ein wichtiger Hinweis darauf, dass große Finanzunternehmen dezentrale Handelsinfrastrukturen nicht mehr als Konkurrenz, sondern zunehmend als potenzielle Partner betrachten.
UNI-Token soll stärker von der Plattform profitieren
Neben dem erwarteten Wachstum des Handelsvolumens verweist die Bank auch auf Veränderungen innerhalb des Uniswap-Ökosystems selbst. So diskutiert die Community derzeit über Mechanismen zur Verbrennung von UNI-Token sowie über eine stärkere Beteiligung der Token-Inhaber an den Einnahmen des Protokolls.
Zusätzliche Impulse könnten von Unichain kommen, der eigenen Layer-2-Lösung von Uniswap. Sie soll mehr Transaktionen auf die Plattform bringen und die wirtschaftliche Aktivität innerhalb des Netzwerks erhöhen.
Sollte es Uniswap gelingen, die eigene Infrastruktur erfolgreich zu monetarisieren und gleichzeitig Partnerschaften mit traditionellen Finanzunternehmen auszubauen, könnte sich nach Einschätzung der Analysten auch die Bewertung des UNI-Tokens deutlich erhöhen.
Kursziel von 100 Dollar bis 2030
Für den UNI-Token zeichnet Standard Chartered einen langfristigen Wachstumspfad. Die Analysten erwarten einen Kurs von 6,50 Dollar im Jahr 2026, 20 Dollar im Jahr 2027 und 40 Dollar im Jahr 2028. Bis 2029 soll UNI auf 65 Dollar steigen, bevor schließlich die Marke von 100 Dollar im Jahr 2030 erreicht wird.
Ausgehend vom aktuellen Kursniveau würde dies einem Anstieg um rund das 40-Fache entsprechen. Nach Einschätzung der Bank könnte UNI damit langfristig sogar eine bessere Performance erzielen als Bitcoin oder Ethereum.
Ob dieses Szenario tatsächlich eintritt, hängt jedoch maßgeblich davon ab, wie schnell die Tokenisierung traditioneller Vermögenswerte voranschreitet und ob DeFi-Plattformen wie Uniswap einen relevanten Teil dieses Marktes für sich gewinnen können. Die Prognose zeigt jedoch, dass große Finanzinstitute zunehmend nicht nur Bitcoin und Ethereum im Blick haben, sondern auch Infrastrukturprojekte, die von der nächsten Wachstumsphase der Blockchain-Industrie profitieren könnten.





