Der Stablecoin-Herausgeber Tether ist einer der wichtigsten Stützpfeiler für den Krypto-Sektor, da er eine Brücke zwischen der traditionellen Finanzwelt und der Krypto-Welt darstellt. Tether ist jedoch seit jeher auch Gegenstand von Spekulationen, Kontroversen und einer Menge Kritik bezüglich Marktmanipulation. In einer jüngst auf X geteilten Analyse erneuert der Finanzmarktstratege Jacob King seine Kritik gegen Tether und warnt vor systemischen Gefahren für den Krypto-Sektor.
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Nicht nur King ist ein anhaltender Kritiker von Tether. Die Thesen, dass das Unternehmen den Bitcoin-Markt manipuliert, basieren auf mehreren Vorwürfen und Studien, die insbesondere die Beziehung zwischen Tether, der Kryptobörse Bitfinex und dem Bitcoin-Kurs untersuchen. Hier sind einige der zentralen Thesen, die in der öffentlichen Diskussion immer wieder auftauchen:
Ungedeckte Tether-Emissionen und Kursmanipulation:
These: Tether Limited soll große Mengen an USDT ohne ausreichende Deckung durch US-Dollar gedruckt haben, um den Bitcoin-Kurs künstlich zu stützen oder zu manipulieren. Diese frisch gedruckten Tether wurden angeblich genutzt, um Bitcoin auf Börsen wie Bitfinex zu kaufen, was den Kurs in die Höhe treibt.
Belege: Eine einflussreiche Studie von John Griffin und Amin Shams (2018) legt nahe, dass Tether-Emissionen mit Anstiegen des Bitcoin-Kurses korrelieren, insbesondere während Marktabschwüngen. Sie fanden heraus, dass etwa die Hälfte des Bitcoin-Kursanstiegs 2017 mit Tether-Transaktionen zusammenhängen könnte, die von wenigen großen Adressen (sogenannten „Walen“) gesteuert wurden.
Kritik: Tether und Bitfinex weisen diese Vorwürfe zurück und argumentieren, dass die Studien auf unvollständigen Daten basieren oder methodische Schwächen haben. Eine andere Studie von Wang Chun Wei (2018) fand keine Beweise für systematische Manipulation durch Tether-Emissionen.
Pump-and-Dump-Schemen:
These: Tether soll in einem „Pump-and-Dump“-Schema verwendet werden, bei dem ungedeckte USDT genutzt werden, um Bitcoin zu kaufen und den Kurs zu pumpen. Sobald andere Investoren durch FOMO (Fear of Missing Out) einsteigen, könnten die Manipulatoren ihre Bitcoin mit Gewinn verkaufen.
Belege: Ermittlungen der New Yorker Staatsanwaltschaft (2019-2020) werfen Tether und Bitfinex vor, ungedeckte USDT genutzt zu haben, um den Bitcoin-Kurs 2017 zu manipulieren, was den Kursanstieg von 800 auf 20.000 US-Dollar maßgeblich beeinflusst haben soll. Ein Twitter-Nutzer (@ImNotTheWolf) wies 2019 darauf hin, dass die Ausgabe von 5 Milliarden USDT zeitlich mit einem wichtigen Kursniveau des Bitcoin zusammenfiel, was den Verdacht der gezielten Manipulation verstärkte.
Kritik: Tether betont, dass USDT nur auf reale Nachfrage hin ausgegeben wird, und weist Manipulationen zurück.
Fehlende Transparenz und Liquiditätsprobleme:
These: Tether wird vorgeworfen, nicht vollständig durch US-Dollar gedeckt zu sein, was Zweifel an der Legitimität der Stablecoin-Emissionen weckt. Diese fehlende Deckung könnte genutzt werden, um den Markt zu manipulieren, da Tether ohne echte Dollar-Reserven Bitcoin kaufen könnte.
Belege: 2019 gab Tethers Anwalt zu, dass USDT nur zu 74 % durch Bargeld und Wertpapiere gedeckt war. Die US-Commodity Futures Trading Commission (CFTC) verhängte 2021 eine Strafe von 41 Millionen US-Dollar gegen Tether, da die volle Deckung zwischen 2016 und 2018 nur teilweise gewährleistet war.
Kritik: Tether verweist auf spätere Audits (z. B. 2022), die eine ausreichende Deckung durch US-Dollar, Staatsanleihen und andere Vermögenswerte bestätigen.
Koordinierte Aktionen mit anderen Börsen:
These: Tether und Bitfinex sollen mit anderen Börsen wie Bittrex und Poloniex zusammengearbeitet haben, um ungedeckte USDT zu akzeptieren und in Bitcoin umzutauschen, was den Kurs künstlich beeinflusste.
Belege: Griffin und Shams (2019) fanden verdächtige Tether-Flüsse zwischen Bitfinex, Bittrex und Poloniex, die mit Bitcoin-Kursanstiegen korrelierten. Die New Yorker Staatsanwaltschaft unterstützt diese These durch ihre Ermittlungen.
Kritik: Tether und Bitfinex bestreiten eine solche Koordination, und es gibt keine abschließenden Beweise für eine systematische Zusammenarbeit.
Automatisierte Handelsprogramme und Marktverzerrung:
These: Tether-Transaktionen auf Börsen wie Kraken zeigen ungewöhnliche Muster, die auf automatisierte Handelsprogramme hindeuten, die den Markt manipulieren.
Belege: Eine Bloomberg-Analyse (2018) stellte fest, dass kleinere Tether-Orders auf Kraken größere Kursbewegungen auslösten als größere Orders, was ein Warnsignal für Manipulation ist. Zudem waren bestimmte Kaufaufträge auffällig präzise (bis zu fünf Dezimalstellen), was auf automatisierte Bots hindeutet.
Kritik: Solche Muster könnten auch durch legitime Handelsstrategien entstehen, und es fehlen definitive Beweise für Manipulation.
Einfluss auf Bitcoin-Futures-Märkte:
These: Tether soll genutzt worden sein, um nicht nur den Spotmarkt, sondern auch den Futures-Markt für Bitcoin zu manipulieren, indem man auf steigende und fallende Kurse wettet.
Belege: Griffin und Shams (2018) argumentieren, dass Tether-Emissionen während des Bitcoin-Bull-Runs 2017 mit der Einführung von Bitcoin-Futures (CME, CBOE) zusammenfielen, was Manipulatoren ermöglicht haben könnte, von Kurssteigerungen und -verlusten zu profitieren.
Kritik: Tether und Bitfinex bezeichnen solche Anschuldigungen als spekulativ und verweisen auf die Komplexität des Futures-Marktes, die nicht allein durch Tether beeinflusst werden könne.
Tether bleibt ein kontroverses Thema
Die Hauptthesen drehen sich um ungedeckte Tether-Emissionen, die angeblich gezielt eingesetzt werden, um den Bitcoin-Kurs zu manipulieren, insbesondere durch Käufe auf Bitfinex und anderen Börsen. Studien wie die von Griffin und Shams sowie Ermittlungen der US-Behörden liefern Indizien, aber keine endgültigen Beweise. Tether und Bitfinex weisen die Vorwürfe zurück und verweisen auf legitime Nachfrage und verbesserte Transparenz. Kritiker warnen jedoch vor einem möglichen Betrug, der das Kryptomarkt-Ökosystem destabilisieren könnte, falls die Vorwürfe bestätigt werden. Die Debatte bleibt kontrovers, da definitive Beweise fehlen und sowohl Befürworter als auch Kritiker ihre Positionen mit Studien und Daten untermauern.





